30. August 2015 08:17
Gesundheits-Guide für Ihr Kind
Der perfekte Schulstart
Eine Lektion in Sachen Kindergesundheit. Wir beantworten die brennendsten Fragen rund um Ernährung und Bewegung.
Der perfekte Schulstart
© Getty

Tommy und seine Videospielkonsole – sie sind unzertrennlich. Eigentlich hat Mama ­Renate gehofft, dass der aufgeweckte Volksschüler den Sommer endlich nutzen würde, um mehr Zeit draußen zu verbringen. Das Tenniscamp – ein Reinfall samt morgendlicher Tränen. Den Rest des Sommers hat er sich bei Freund Patrick verkrochen – vermutlich auf dessen Sofa mit Blick auf irgendeinen Bildschirm und wohl mit seinen geliebten Keksen. Vorm Schulstart am  7. September muss Renate ihn jedenfalls noch neu einkleiden – eine Bundgröße größer. Und sie weiß: Gut ist diese Entwicklung keinesfalls – sie muss entgegenwirken. Etwa 28 Prozent aller Kinder geben an, dass ihnen Bewegung so gar keinen Spaß macht. Dabei ist Sport das gesundheitsförderndste, das wir für uns tun können. Experten empfehlen, dass sich Kinder – schon von Beginn an – mindestens eine Stunde pro Tag bewegen sollten, gleich ob Fußballtraining oder Herumtollen im Park. „Denn“, so Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin, „Bewegung wirkt sich positiv auf  Gelenke, Knochen, Psyche und den Stoffwechsel aus.“ Aber Work-out für Kids kann noch mehr: Es macht schlau.

„Studien haben ergeben“, so Neurowissenschaftlerin Dr. Manuela Macedonia, „dass Kinder, die sportlich aktiv sind, auch bessere schulische Leistungen erbringen. Regelmäßiger Ausdauersport regt die Neurogenese an. Das ist die Produktion neuer Gehirnzellen. Diese ‚wandern‘ in Form von Stammzellen in Regionen des Gehirns, die sie vermehrt brauchen. Bewegt sich ein Mensch mehr, hat er mehr ‚Gehirnmaterial‘ zur Verfügung, das im Lernprozess eingesetzt wird. Zyklischer Sport – Laufen, Rad fahren, Schwimmen – führt zudem zur Vergrößerung des Hippocampus, jener Gehirnstruktur, die für das Kurzzeitgedächtnis zuständig ist. Auch konnten neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Größe des Hippocampus mit guten Noten in kausalem Zusammenhang steht.“

Warnsignale

Eine weitere wichtige Funktion von Bewegung: Sie wirkt Übergewicht entgegen. Die aktuellen Zahlen, Kinder und Kilos betreffend, sind alarmierend! „Jedes vierte Wiener Kind ist zu dick – zwei Prozent sind krankhaft übergewichtig“, so Dr. Widhalm. Tendenz steigend. Schuld: der Lifestyle. Kinder verbringen auch nach der Schule viel Zeit im Sitzen. „Je länger“, so der Experte, „Kinder täglich vorm TV und PC sitzen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Übergewicht frühzeitig entsteht – so Studien.“ Hinweis, so der Experte, ist die Gewichtskontrolle der kinderärztlichen Untersuchung. „Liegt der Messwert über 90 Perzentilen, besteht Übergewicht, über 97 sogar Fettsucht.“



Es ist nichts verboten!
Gehandelt wird im Idealfall präventiv. Neben dem richtigen Maß an Bewegung ist auch Ernährung ein wesentlicher Fit-Faktor. Generell gilt: Der Zuckerkonsum soll maximal zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr ausmachen. Dr. Widhalm: „Ein guter Rat für den Laien ist es, sich an Ernährungsdreiecken zu orientieren: Häufig essen sollte man Gemüse,  Obst sowie Vollkornprodukte – alles, das viele Ballaststoffe enthält. Fleischkonsum sollte zurückgeschraubt werden. Eher selten sollten fett- und zuckerreiche Produkte konsumiert werden. Verboten ist allerdings nichts!  Es wäre unsinnig, einem Kind zu sagen, es darf nie  Torte essen.“  Wenn ein Kind zu Übergewicht neigt oder zu viel auf die Waage bringt (die Genetik spielt da eine 50-prozentige Rolle), müssen Eltern handeln. Dr. Widhalm: „Eltern müssen sich mit dem Thema Ernährung intensiv auseinandersetzen, darauf achten, dass sie zu fett- und zuckerarmen Lebensmitteln greifen.“ Es geht um die Reduktion der Energiezufuhr, nicht darum, etwas zu verbieten. „Meist“, so Dr. Widhalm, „reicht es, wenn das Kind ein Dreivierteljahr sein Gewicht hält.“ Ein Kinderarzt mit Diplom für Ernährungsmedizin kann helfen.  

Fazit
Bewegung und Ernährung sind untrennbar miteinander verbunden und essenziell für Gesundheit und Leistung. Wichtig, so die Experten, ist der individuelle Zugang – Beobachtung oberstes Credo. Bekommt das Kind nach dem Konsum gewisser ­Lebensmittel Rötungen oder Allergien, könnte eine Unverträglichkeit vorliegen. Mag das Kind vor der Schule kein Frühstück, muss erst der Kreislauf in Schwung kommen – eine Jause um neun, zehn Uhr reicht völlig aus. Will das Kind nicht zum Training, sollte man Teile des Schulwegs zu Fuß absolvieren. Jedes Kind ist anders, hat andere Bedürfnisse und Vorlieben – und das ist gut so. Durch regelmäßige Dokumentation – z. B. durch das Führen eines Ernährungs- und Bewegungstagebuchs – können Eltern Fortschritte oder Mängel beobachten und Vorsorgemaßnahmen treffen. Werden Sie zum Streber, wenn es um die Gesundheit Ihres Kindes geht. 

Mehr dazu lesen Sie im aktuellen gesund&fit am 31. August!