Das steckt hinter dem Leihmutter-Trend

Kardashian-West-Nachwuchs

Das steckt hinter dem Leihmutter-Trend

Bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, ist eine Leihmutterschaft ein möglicher Ausweg. Wir haben die wichtigsten Informationen zum Thema.

Kim Kardashian und Sarah ­Jessica Parker – diese beiden weltberühmten Ladys haben eine ganz besondere Gemeinsamkeit: die Entscheidung für ein Kind per Leihmutterschaft. Weshalb nun wird diese äußerst kostspielige Form der Reproduktionsmedizin scheinbar ­immer öfter in Erwägung gezogen? ­Welche Hintergründe – sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf medizinischer Ebene – spielen hier eine Rolle?

Gemeinsam mit Dr. Breinl, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, und Katrin Lampe, Psychoanalytikerin sowie Psychotherapeutin (in Ausbildung unter Supervision), haben wir für Sie die wichtigsten medizinischen, psychoanalytischen und ethisch-moralischen Aspekte zu diesem hochaktuellen, kontrovers diskutierten Thema zusammengefasst.

Unerfüllter Kinderwunsch
Der Wunsch nach einem Baby ist eine Grundempfindung, die vermutlich tief verankert in jedem von uns steckt und ­primär genetisch-evolutionär bedingt ist. Kinder zu haben, bedeutet für viele Paare die Verkörperung ihrer Liebe schlechthin. Bleibt eine Partnerschaft jedoch kinderlos, so kann das eine sehr große psychische Belastung für die Beziehung darstellen. Dr. Breinl, dem dieses Thema ganz besonders am Herzen liegt, weiß aus jahrelanger Erfahrung, dass der unerfüllt bleibende Wunsch nach einem Kind zu Depressionen führen kann. Die Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit können vielfältig ausfallen; oftmals sind sie auf Erkrankungen der Gebärmutter zurückzuführen. In vielen Fällen stellt eine Adoption zwar eine Möglichkeit dar, sie bietet aber nicht die erwünschte genetische Verwandtschaft mit dem Nachwuchs.

Der gemietete Bauch
In manchen Fällen ist eine Leihmutterschaft der letzte Ausweg, das Leid zu beenden. In der Medizintheorie besteht eine Leihmutterschaft dann, wenn eine Frau (die Leihmutter) ein mit ihr nicht genetisch verwandtes Kind austrägt. Dr. Breinl zufolge wird die Eizelle der „bestellenden“ Frau mit den Samenzellen des „bestellenden“ Vaters befruchtet und anschließend der Leihmutter eingesetzt. Diese stellt ihre Gebärmutter also für die Dauer der Schwangerschaft zur Verfügung und durchlebt auch die Geburt. Insbesondere für Frauen, deren Eierstöcke zwar in der Lage sind, eigene Eizellen zu produzieren, die jedoch aufgrund von Gebärmuttererkrankungen kein Kind austragen können, ist eine Leihmutterschaft eine legitime Alternative. Vorausgesetzt natürlich, eine andere Frau erklärt sich – aus welchem Motiv auch immer – dazu ­bereit, einem Paar seinen sehnlichsten Wunsch auf diese Weise zu erfüllen.

Tendenz: späte Mutterschaft
 
Kürzlich gab Kim Kardashian bekannt, ihr drittes Kind nun von einer Leihmutter austragen zu lassen. Sie selbst sei aufgrund gesundheitlicher Gegebenheiten dazu nicht imstande. Zwei Kinder haben Kanye West und Kardashian bereits, doch bekanntlich sind aller guten Dinge drei. Dass gerade Stars sich vermehrt für eine Leihmutterschaft aussprechen, sieht Katrin Lampe darin begründet, dass die Belastungen und Einschränkungen durch eine Schwangerschaft für Berühmtheiten oftmals nicht tragbar sind. Zudem sind sie finanziell in der Lage dazu: Eine Leihmutterschaft kostet immerhin bis zu 100.000 Dollar. Katrin Lampe und Dr. Breinl sind sich außerdem einig, dass einer der Beweggründe in der allgemeinen Tendenz zur späten Mutterschaft liegt. „Ab Mitte 30 beginnt das Gewebe der Frau abzubauen, Schwangerschaft und Geburt sind Höchstleistungen, die der weibliche Körper einfach nicht mehr mit derartiger Leichtigkeit erbringen kann, wie er es vielleicht mit Mitte 20 noch geschafft hat“, so Dr. Breinl. Hier spielt allem voran der gesellschaftliche Aspekt eine Rolle: Selbstverwirklichung und Karriere sind heutzutage vor Familienplanung angedacht; belastende Arbeitsbedingungen und starre Kinderbetreuungsmodelle führen dazu, dass viele Paare ihren Kinderwunsch nicht verwirklichen.

Keine Polarisierung
Nicht selten ist es ein Leichtes, als Außenstehender über Menschen und deren Handlungen Stellung zu beziehen oder gar zu urteilen. Doch die Welt ist nicht einfach nur schwarz oder weiß. Dr. Breinl zufolge ist gerade Kinderwunsch ein sehr persönliches und sensibel zu behandelndes Thema, über das nicht pauschal gesprochen werden kann. „Schließlich handelt es sich immer um Einzelschicksale“, so der Arzt. Dennoch stellt sich in diesem Zusammenhang die moralisch-ethische Frage: Soll eine Frau ihren Körper für eine Schwangerschaft zur Verfügung stellen (dürfen)? Oder wird hier eine Grenze überschritten? Vor diesem Hintergrund betrachtet, ist Leihmutterschaft in vielen Ländern – darunter auch Österreich – ­verboten. Doch welche Alternative sieht ­Dr. Breinl hierzulande? „Für Frauen, die selbst kein Kind austragen können, gibt es in Österreich keine Alternative. Für ­jene Frauen, deren Eizellqualität Verschlechterungen aufweist, gibt es seit 2015 die Möglichkeit der Fremdeizellspende: Die Eizelle einer anderen Frau wird durch die Samenzelle des eigenen Partners befruchtet und anschließend in die eigene Gebärmutter eingesetzt. Doch das ist wieder etwas anderes, demnach keine klassische Leihmutterschaft.“

Medizinische Varianten einer Leihmutterschaft 1/4
Homologe IVF
Bei dieser Form der künstlichen Befruchtung handelt es sich wohl um die bekannteste. Im Zuge des Modells der Leihmutterschaft bleibt das genetische Potenzial der Eltern erhalten: Eizelle sowie Samenzelle stammen von den „bestellenden“ Eltern und werden einer Leihmutter in den Uterus implantiert. Diese Form kann beispielsweise dann einen Ausweg aus der ungewollten Kinderlosigkeit darstellen, wenn die Frau augrund gegebener Erkrankungen der Gebärmutter nicht in der Lage ist, ein Kind selbst auszutragen.