Covid-19: Wie hoch ist mein Risiko?

Nachgefragt

Covid-19: Wie hoch ist mein Risiko?

Herrschte im Frühjahr noch große Unsicherheit rund um Erkrankungen, die mit einem womöglich erhöhten Covid-19-Verlaufsrisiko einhergehen, so sind die Risikogruppen mittlerweile klar definiert. Wir werfen noch einmal einen Blick darauf.

Besonders zu Beginn der Coronavirus-Pandemie in Österreich waren sehr viele Menschen verunsichert – ob ihres eigenen Risikos für einen schweren Erkrankungsverlauf bei Infektion und jenes ihrer Nahestehenden. Die Wissenschaft hat in den vergangenen Monaten enorme Sprünge gemacht und zahlreiche Erkenntnisse rund um die Erkrankung, Übertragung und Risikofaktoren gewonnen. Wer aufgrund bestimmter Vorerkrankungen in eine Risikogruppe fällt, ist mittlerweile sehr klar und im Rahmen der gesetzlichen „Covid-19-Risikogruppe-Verordnung“ geregelt (Details unter sozialministerium.at nachzulesen). Betroffene haben Anspruch auf zusätzliche Schutzmaßnahmen, die etwa den Arbeitsplatz betreffen. Es handelt sich hierbei um schwere chronische Erkrankungen, die einer laufende Therapie bedürfen und/oder mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen. Viele andere chronische Erkrankungen fallen jedoch nicht in diese Kategorie. Im Zweifelsfall sollte natürlich unbedingt der behandelnde Arzt, die behandelnde Ärztin zurate gezogen werden, der oder die das individuelle Risiko einschätzen kann.

Allergien und Asthma

Zwar ist beim Thema Allergie auch stets vom Immunsystem die Rede, jedoch ist hier im Regelfall keine Immunschwäche und somit auch kein erhöhtes Covid-Risiko gegeben. Menschen, die etwa an einer Pollenallergie leiden können beruhigt sein: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass Pollenallergiker bei einer Covid-19-Infektion ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben“, erklärte uns Prim. Priv.-Doz. Dr. Fritz Horak, stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Allergie und Asthma der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und ärztlicher Leiter des Allergiezentrums Wien West, im April im Interview. Die häufige Sorge um eine womöglich verschlechterte Immunabwehr ist unbegründet: „Allergiker haben kein grundlegend schwaches Immunsystem. Es reguliert nur anders“, so Dr. Horak. „Die Abwehr gegen Viren und Bakterien funktioniert aber in der Regel normal.“ Selbes gilt bei anderen Allergien, wie etwa jene gegen Hausstaub, Lebensmittel oder Tierhaar. Auch Asthma bedeutet laut aktuellem Wissensstand und sofern die Erkrankung gut kontrolliert ist – das heißt möglichst keine oder kaum Symptome zu haben – kein erhöhtes Risiko.

Diabetes und Hypertonie

Die Kontrolliertheit der Erkrankung ist auch bei Diabetes-Patientinnen und Patienten ein entscheidender Faktor hinsichtlich Covid-Risiko: Ist eine Diabetes-Erkrankung gut kontrolliert, also die Blutzuckereinstellung stabil, wird das Covid-Risiko als nicht erhöht bewertet. Anders ist die Situation wenn schwere Folgeerkrankungen (z. B. des Herz-Kreislaufs) oder Organschäden mitspielen, die Blutzuckerwerte nicht gut eingestellt sind oder der Diabetes noch undiagnostiziert und somit unbehandelt ist. „Eine chronische Blutzuckerentgleisung schwächt die Immunabwehr und die Gefäßzellenwände, die auch durch das Coronavirus befallen werden“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Michael Joannidis, Leiter der internistischen Intensivstation der Medizinischen Universität Innsbruck, in einem APA-Interview. Prof. Joannidis ist Teil eines Forscherteams, das kürzlich einen Zusammenhang zwischen Diabetes und schweren Covid-Verläufen feststellen konnte: Demnach wiesen 85 Prozent aller 47 bis dato in Innsbruck behandelten Covid-19-Intensivpatientinnen und -patienten einen bisher nicht erkannten Diabetes oder dessen Vorstufe, Prädiabetes, auf. Ähnlich ist die Situation bei Bluthochdruck: Ist die Erkrankung nicht gut kontrolliert, sind bereits Endorganschäden vorhanden oder ist die Hypertonie womöglich noch unentdeckt, so droht ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-Verläufe.

Krebserkrankungen
Auch für Krebspatientinnen und -Patienten wurde klar definiert, wer zur Risikogruppe gehört, dennoch sollte natürlich mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin Rücksprache gehalten werden.

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Risikogruppen

1. fortgeschrittene chronische Lungenkrankheiten (z. B. COPD in fortgeschrittenem Stadium)

2. chronische Herzerkrankungen mit Endorganschaden, die dauerhaft therapiebedürftig sind (z. B.  Herzinsuffizienzen)

3. aktive Krebserkrankungen mit einer innerhalb der letzten sechs Monate erfolgten onkologischen Pharmakotherapie (Chemotherapie, Biologika) und/oder einer erfolgten Strahlentherapie sowie metastasierende Krebserkrankungen auch ohne laufende Therapie

4. Erkrankungen, die mit einer Immunsuppression behandelt werden müssen (z. B. dauernde Kortisontherapie)

5. fortgeschrittene chronische Nierenerkrankungen

6. chronische Lebererkrankungen mit Organumbau und dekompensierter Leberzirrhose ab Child-Stadium B

7. schwere Adipositas (BMI >=40)

8. Diabetes mellitus bei erhöhtem HBA1c oder Endorganschäden

9. arterieller Bluthochdruck
mit bestehenden Endorganschäden