Coronavirus: Wo Ansteckung droht

Kampf dem Virus

Coronavirus: Wo Ansteckung droht

Meist braucht es nicht mehr als erhöhte Vorsicht und ein wenig Maßnahmenkonsequenz, um eine Ansteckung zu verhindern. Wie das Coronavirus „arbeitet“ und warum Hygiene, Frischluft und mehr jetzt besonders wichtig sind.

Die Pandemie hat in Österreich einen neuen Höhepunkt erreicht: Waren wir im Frühjahr noch über Fallzahlen unter der Tausendermarke besorgt, so haben die aktuellen Neuinfektionen diese Grenze lange hinter sich gelassen. Ansteckungsschutz ist also wichtiger denn je. Glücklicherweise können wir selbst sehr viel dafür tun, um uns und andere zu schützen. Dazu ist es wichtig zu wissen, wie das Virus „funktioniert“ und wie es in unseren Körper gelangt. 

Der Weg des Virus
Beim Coronavirus handelt es sich um einen „RNA“-Virus. Der primäre Lebenszweck eines solchen Virus (RNA steht für Ribonukleinsäure) ist die Fortpflanzung. Dafür benötigt er die lebende Zelle, deren Zellmaschinerie er ausnutzt und dazu zwingt, neue Viruspartikel zu produzieren. SARS-CoV-2 vermehrt sich im Rachen der infizierten Person in Millionenhöhe und verbreitet sich von dort aus in die Lunge und Nase. Um diese Krankheitsmaschinerie auszulösen, reichen kleinste infektiöse Partikel. Diese Partikel erreichen uns hauptsächlich via Tröpfcheninfektion: Beim Sprechen, Husten und Niesen werden feinste Speichel- oder Schleimtröpfchen von Mensch zu Mensch weitergegeben. Ist der „Absender“ dieser Tröpfchen Covid-positiv, so ist die Gefahr für andere groß, sich anzustecken. Infektiöse Tröpfchen können sich auf der Schleimhaut festsetzen und dort in die Zellen eindringen. Eine Infektion hat stattgefunden und der Virus vermehrt sich. Besonders gute Haftung finden Viren dann, wenn die Schleimhaut des Rachens nicht gut befeuchtet ist. Gut befeuchtete Schleimhäute sind imstande, das Eindringen von Krankheitserregern zu verhindern. Sind sie jedoch trocken, so werden sie durchlässiger. Was unsere Schleimhäute austrocknet? Unsere täglichen Gewohnheiten, besonders jene, die wir zur kalten Jahreszeit pflegen. 

Krank werden wir drinnen!
Zwar kann Kälte unser Immunsystem schwächen, doch aus diesem Grund stets nach drinnen zu flüchten und die Heizkörper möglichst hochzudrehen ist exakt der falsche Weg. Beheizte Räume nämlich, besonders wenn sie schlecht durchlüftet werden, sind häufig die Wiege von Erkältungen. Zum einen liegt dies daran, dass die Heizungsluft unsere Schleimhäute stark austrocknet – übrigens nicht nur jene im Rachen, sondern auch die im Mund und in der Nase. Wenn wir noch dazu wenig trinken, so wird dieser Trocken-Effekt gesteigert und die Ansteckungsgefahr erhöht. Denn wie wir bereits wissen: An trockenen Schleimhäuten bleiben Viren, Bakterien und andere Erreger sehr viel besser haften und werden schlechter wieder ausgestoßen (z. B. durch Husten, Niesen, Räuspern). Dazu kommt, dass in Innenräumen die generelle Ansteckungsgefahr erhöht ist. Der Grund ist die geringe Frischluftzufuhr und das virenfreundliche, trockene Klima. In schlecht belüfteten Räumen, in denen sich mehr als eine Person aufhält, ist die Luft oft besonders stark mit Erregern belastet. Durch seltenes Lüften und den dadurch fehlenden Luftaustausch bleiben diese besonders lange in der Raumluft enthalten. Beim Zusammentreffen in Innenräumen addieren sich also mehrere Faktoren, die eine Ansteckung deutlich begünstigen können. Hier sollte besonders auf hohe Sicherheit (z. B. durch Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes), Abstand und gute Lufthygiene geachtet werden. "Lüften, lüften,lüften" lautet die Devise!
 
Hygiene ist entscheidend
Häufiges Lüften ist also nicht nur für ein besseres Raumklima wichtig – es ist eine wichtige Maßnahme zur Krankheitsvorsorge. Ebenfalls entscheidend sind gute Handhygiene und die manuelle Reduktion von Erregern wo immer möglich. Wichtigster Schritt hierbei: Händewaschen. Die häufige und gründliche Reinigung ist jetzt besonders wichtig, denn unsere Hände kommen tagtäglich mit unzähligen Keimen und Krankheitserregern in Kontakt. (Achtung: 20 Sekunden Waschen müssen sein, damit der Großteil der potenziellen Erreger auch tatsächlich unschädlich gemacht wird!) Eine weitere Gesund-Maßnahme ist es, Keim-Hotspots zu meiden beziehungsweise regelmäßig zu reinigen: Stellen, die häufig berührt werden – etwa Türgriffe, Armaturen, Lichtschalter, Tische, Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln – sind Nährböden für Krankheiten. Über Berührung gelangen sie an unsere Hände und von dort häufig an die Schleimhäute – etwa wenn wir uns ins Gesicht fassen. Hier ergibt sich sogleich eine weitere wichtige Hygienemaßnahme: So selten wie möglich ins eigene Gesicht fassen beziehungsweise nur nach gründlicher Handhygiene. Auch das eigene Handy ist eine oftmals vergessene Keimschleuder: Überlegen Sie nur, wie häufig Sie es täglich angreifen, ohne sich davor die Hände zu waschen. Desinfektionstücher und -sprays (bitte vorsichtig anwenden!) können hier Abhilfe schaffen. 
 
Immunsystem stärken
Unsere wichtigste Waffe im Kampf gegen eine Ansteckung bleibt ein gesunder Körper. Sind unsere Abwehrkräfte gut gestärkt, so können sie im Idealfall eine Erkrankung abwenden oder zumindest für eine schnelle Genesung sorgen. Neben gesunder Ernährung, reichlich Bewegung und viel frischer Luft ist es auch absolut notwendig, jetzt auf Stressreduktion zu setzen und ausreichend und hochwertigen Schlaf zu priorisieren.

❯❯ Machen Sie’s?
✏ Kontakte reduzieren
„Bereits ein Drittel weniger Kontakte bedeutet ein um die Hälfte reduziertes Infektionsrisiko“, so der bereits mehrmals erfolgte Appell von Gesundheitsminister Anschober. 

✏ Fenster auf! 
Egal ob in der Arbeit oder zu Hause: Lüften Sie mehrmals täglich die Räume. Kurzes Stoßlüften reicht, um die Virenlast zu reduzieren.

✏ Auf das „Bussi“ verzichten
Durch Begrüßungsrituale wie Händeschütteln oder Küssen werden Viren besonders leicht übertragen. 
 
✏ Vitamin D tanken
Das „Sonnenvitamin“ ist ein wichtiger Motor für das Immunsystem. Achten Sie auf reichlich Zufuhr via Sonnenlicht und/oder Nahrungsergänzung! 

✏ Auf die Psyche achten 
Hören Sie regelmäßig in sich hinein und reagieren Sie, wenn Stress, Sorgen oder andere psychische Probleme Sie plagen. Es gibt kontaktlose Hilfe, z. B. via Telefonseelsorge (Nummer: 142) oder auf www.psychologen.at.


Hygiene-Tipps:

Abstand & weniger Kontakt 

Die Reduktion von Kontakt zu haushaltsfremden Personen kann die Ansteckungswahrscheinlichkeit drastisch reduzieren. Auch symptomfreie Menschen können Krankheitsüberträger sein! Halten Sie deshalb möglichst großzügigen Abstand.
 
Händewaschen 

Mehrmals tägliches Händewaschen ist eine der effektivsten Schutzmaßnahmen. Handelsübliche Seife schädigt die Virenstruktur ausreichend, um sie unschädlich zu machen – gründliches Waschen vorausgesetzt. Beim Abtrocken stets das eigene Handtuch oder ein Wegwerfhandtuch verwenden. 
 
Krankheitserreger dringen vor allem über die Schleimhäute (z. B. Nase, Rachen, Augen) in den Körper ein. Um sie davon fernzuhalten, sollten Sie es vermeiden, das eigene Gesicht zu berühren.
 
Mund-Nasen-Schutz tragen

Der Mund-Nasen-Schutz (MNS) dient primär dem Schutz anderer, durch das physische Zurückhalten von potenziell infizierten Tröpfchen. Der MNS kann bis zur Durchfeuchtung getragen werden. Diese ist nach maximal (!) vier Stunden erreicht. Während des Tragens darf der MNS nicht mit den Händen berührt oder verschoben werden (z. B. nach unten). Auch beim Abnehmen (und Anlegen!) nur an den seitlichen Bändern berühren. 
 
Smartphone-Hygiene 

Das Handy weist eine hohe Keimbelastung auf und sollte deshalb häufig gereinigt werden. Nicht geeignet für die Reinigung sind reine Desinfektionsmittel, die direkt auf der Displayoberfläche aufgebracht werden. Antibakterielle, isopropylhaltige Reiniger eignen sich viel besser, auch desinfizierende Putztücher sind eine gute Wahl.
 
Nies- & Hust-Etikette 

 

Ein einziger Huststoß kann unzählige Sekretpartikel in der Luft verteilen. Um dies möglichst einzugrenzen und Ihre eigenen Hände sauber zu halten, sollten Sie entweder in Ihren gebeugten Ellenbogen niesen/husten oder in ein Taschentuch, das anschließend sofort entsorgt wird.