Impfung

Was Eltern wissen sollten

Corona-Impfung für Kinder? Das sagen Experten

Masken, Tests, Filter und v. a. die Impfungen sollen ein sicheres Lernen in der Schule ermöglichen. Was Eltern über den Coronaschutz wissen sollten.  

Alle Augen sind auf den Herbst gerichtet. Kommt die nächste Welle? Wie heftig wird sie ausfallen? Blüht uns wieder ein (langer) Lockdown? Auch dem Schulstart und damit den Kindern und Jugendlichen kommt jetzt besondere Aufmerksamkeit zu, denn: Sie sind zum Großteil noch nicht geimpft und bilden damit ­eine Gruppe, in der das Infektionsgeschehen rasch um sich greifen könnte. Die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus, die auch in Österreich längst die dominierende ist, trägt dazu bei, dass der Herbst mitunter (wieder) ein schwieriger wird.

Impfstrategie in Österreich
Rund 340.000 Jugendliche sind es hierzulande, die in die Altersgruppe 12 bis 15 fallen – sie können bereits mit dem mRNA-Vakzin von BioNTech/Pfizer und neuerdings auch mit jenem des US-Herstellers Moderna geimpft werden. Der Österreichische Impfplan sieht vor, dass die Jugendlichen über den Sommer zumindest eine Dosis erhalten sollen, um einen möglichst sicheren Schulstart zu ermöglichen. (Der Großteil der impfwilligen Pädagogen und Pädagoginnen ist bereits geimpft.) Durch gezielte Aktionen (etwa die „Impfparty“ vor dem Austria Center) wird vor allem in Wien versucht, zusätzliche Impfanreize für die Zielgruppe zu schaffen. Um die Schwelle noch niedriger zu stellen, dürfen Jugendliche ab 14 Jahren selbst entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollen.

Impfung auch für Kids ratsam
Noch warten müssen Kinder unter 12 Jahren. Für sie ist noch kein Impfstoff von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) freigegeben. Auch betrachten viele Eltern und Erziehungsberechtigte die Impfung für die jüngsten ohnehin sehr kritisch: Da die allermeisten Kinder und Jugendlichen nur einen milden oder asymptomatischen Krankheitsverlauf nach einer SARS-CoV-2-Infektion haben, sehen viele nicht die Notwendigkeit der Impfung. Sich auf diese Statistik zu verlassen, könnte im Einzelfall jedoch folgenschwer sein: Medizinerinnen und Mediziner mahnen wiederholt, dass es auch bei Kindern zu schweren Erkrankungen kommen kann – selten, aber doch. Dazu kommt, dass auch Kinder an Vorerkrankungen leiden, die das Verlaufsrisiko einer Covid-19-Infektion erhöhen können. Und auch wenn die akute Infektion oft harmlos verläuft, so sind Kinder nicht vor Long Covid, der Spätfolge nach überstandener Infektion, gefeit: Langwierige Beschwerden des Atemtrakts etwa oder anhaltende Erschöpfung sind nur ein Teil der mit Long Covid assoziierten Symptome, an denen im Schnitt zehn Prozent aller Covid-Erkrankten leiden.

Es geht auch um andere
Neben dem Eigenschutz für Kinder und Jugendliche ist auch der Fremdschutz eine entscheidende Komponente. Geimpfte können andere Menschen weniger anstecken, was besonders bei jüngeren Kindern stark ins Gewicht fallen könnte: Aufgrund ihres sozialen Verhaltens kommen Kinder oft mit besonders vielen Menschen in engen Kontakt, darunter auch Personen mit mitunter höherem Risiko (z. B. Eltern mit Vorerkrankungen, Großeltern, Pädagogen und Pädagoginnen). Aufgrund des häufig symptomlosen Infektionsverlaufs bei Kindern könnten Übertragungen besonders leicht geschehen. Dazu kommt, dass nicht jede Person auf hohen Impfschutz vertrauen kann: Das Immunsystem älterer Menschen oder jener mit Vorerkrankungen etwa kann oftmals nur einen reduzierten Schutz gegen einen bestimmten Erreger aufbauen. Impfen ist immer auch eine gesellschaftliche Entscheidung und ein gegenseitiges Schützen: Genauso wie geimpfte Erwachsene Kinder bisher mitgeschützt haben, können Kinder jetzt auch Erwachsene schützen. Um Wirtschaft, Schulen und Kindergärten bei Kräften zu halten, braucht es eine gute Durchimpfung. Zwar wird die Erreichung der echten Herdenimmunität schwierig – hochansteckende Varianten wie Delta machen eine deutlich höhere Impfquote nötig – jedoch ist klar, dass das Virus in geimpften Kreisen weit weniger zirkulieren kann. Dort, wo es Impflücken vorfindet, kann es florieren.

 

Das sagt Prim. MedR. Voitl über die Impfung für Kids: 

Welche Wirksamkeit wird bei der Covid-Impfung der 12- bis 15-Jährigen zu erwarten sein?
Prim. Voitl: Die vorliegenden Studienergebnisse zeigen, dass 12- bis 15-Jährige nach zwei normalen Dosen des BioNTech-Impfstoffs Comirnaty sogar höhere Level von Antikörpern hatten als 16- bis 25-Jährige. Der Impfstoff zeigte eine Wirksamkeit von 100 Prozent und war gut verträglich. 

Welche Impfreaktionen sind zu erwarten?
Prim. Voitl:
Die Impfung ist den vorliegenden Daten zufolge auch in dieser Altersgruppe sehr gut verträglich, das Ausmaß an Nebenwirkungen war ähnlich wie bei den 16- bis 25-Jährigen. Um eventuelle Nebenwirkungen eindeutig zuordnen zu können, kann ein Abstand von 4 Wochen zu anderen Impfungen empfohlen werden.


Bei welchen Vorerkrankungen von Kindern würden Sie (zumindest vorerst) von einer Impfung abraten?
Prim. Voitl:
Lediglich bei einer nachgewiesenen Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe besteht eine Kontraindikation, bei schwerwiegenden Immunschwächen sollte Rücksprache mit den behandelnden Ärzten gesucht werden. Bei den allermeisten anderen Vorerkrankungen ist eine Impfung jedenfalls anzuraten!

Werden Kinder unter 12 auch bald geimpft werden können?
Prim. Voitl:
Es wurde ein globales Phase-I/II/III-Studienprogramm für Kinder im Alter von sechs Monaten bis elf Jahren gestartet, um hier die optimale Dosierung zu ermitteln. Auch hier besteht die Impfserie jedenfalls aus zwei Dosen, die im Abstand von etwa drei Wochen verabreicht werden sollen.  

© Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl
Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl
× Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl

Prim. medr. Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl, MBA
FA für Kinder- und Jugendheilkunde;
kinderarzt.at