Unterschätzt: Kopfschmerz und Migräne

13% der Österreicher betroffen

Unterschätzt: Kopfschmerz und Migräne

1,5 Milliarden Menschen sind immer wieder von Spannungskopfschmerz betroffen. Wiederkehrende Migräne-Attacken haben rund 990 Millionen Personen weltweit. Oft würden diese Probleme aber ignoriert, nicht oder falsch behandelt, sagten österreichische Experten am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Morgen, Mittwoch (12. September), ist Europäischer Kopfschmerz- und Migränetag.

"Jeder glaubt, Kopfschmerzen können am besten selbst behandelt werden. (...) Kopfschmerzen werden scheinbar ignoriert, marginalisiert und bagatellisiert", sagte Eugen Trinka, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN).

Die sogenannte Krankheitslast durch immer wieder auftauchende Beschwerden sind enorm. Machen die neurologischen Erkrankungen insgesamt weltweit 47 Prozent der durch Symptome bzw. Behinderung "verlorenen" gesunden Lebensjahre aus, verursachen allen die Migräne-Attacken 13,2 Prozent dieser Belastung.

13% der Österreicher betroffen

Georg Brössner, Präsident der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG), sagte: "Die Migränehäufigkeit liegt in Österreich bei 13 Prozent der Bevölkerung. Bei den Frauen leiden 18 Prozent an Migräne, ebenso acht Prozent der Männer." Bei chronischer Migräne mit zumindest mehr als drei bis vier Attacken pro Monat sollte eine vorbeugende Behandlung ins Auge gefasst werden. Dazu ist aber zunächst einmal eine entsprechende Diagnose notwendig.

Der Experte merkte kritisch an: "Nur 40 Prozent dieser Patienten haben je eine medikamentöse Prophylaxe bekommen." Auf diesem Gebiet wurden bisher vor allem Beta-Blocker, Sartane, Kalziumantagonisten (alle drei an sich sich Blutdruckmittel) und andere, nicht spezifisch dafür entwickelte Medikamente verwendet.

Neues Mittel

Eine Neuerung stellen jetzt monoklonale Antikörper zur Blockierung des sogenannten Calcitonin Gene-related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptoren dar. Das erste derartige Medikament, das einmal im Monat unter die Haut injiziert werden muss, wurde vor Kurzem zugelassen.

"Grob gesagt wurde damit bei 50 Prozent der Patienten in der klinischen Studie die Häufigkeit der Migräne-Attacken halbiert", sagte Brössner. Im Durchschnitt kam es unter dieser Therapie bei den Studienpatienten zu einem Rückgang der Häufigkeit der Attacken von durchschnittlich 8,3 pro Monat auf rund fünf Anfälle (minus 3,2 bzw. minus 3,7 Attacken pro Monat).

Doch auch unter Placebo trat durchschnittlich eine Verringerung der Häufigkeit der Beschwerden um 1,8 Tage ein. Eine erste Vergleichsstudie zwischen der Anwendung des ersten derartigen Medikamentes mit herkömmlich verwendeten Arzneimitteln in der Migräneprophylaxe ist erst im Anlaufen. Laut Trinka gibt es allerdings in Österreich zu wenige Neurologen in der niedergelassenen Praxis und mit Kassenvertrag. Das behindert die Diagnostik und die Therapie.

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