So werden Babys stark

Schutz für das immunsystem

So werden Babys stark

Eine starke Abwehr ist das A und O für einen krankheitsresistenten, gesunden Körper. Bei Babys ist das Immunsystem jedoch nicht zur Gänze ausgereift und sie benötigen besonderen Schutz vor Krankheiten. Auch als Elternteil kann man einiges dazu beitragen, dass das Kind gesund über die Jahre kommt. Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengetragen und mit Kinderarzt DDr. Peter Voitl über das Für und Wider der Grippeimpfung im Babyalter gesprochen.
 
Der „Nestschutz“
Der Aufbau des Immunsystems beginnt schon im Mutterleib, denn bereits ab dem vierten Monat der Schwangerschaft bekommt der Fötus die ersten Antikörper der Mutter über die Plazenta verabreicht. Diese Immunstoffe dienen vor allem in den ersten Lebensmonaten als Schutz vor denjenigen Infektionskrankheiten, welche die Mutter einst selbst durchgemacht hat. Dies wird auch als Nestschutz bezeichnet und hält für ungefähr sechs ­Monate an. Danach ist der Vorrat der Antikörper aufgebraucht, und das Immunsystem ist auf sich alleine gestellt. Erreger, die vor allem jetzt Hochsaison haben, fordern das Immunsystem, das sich nun auf Höchstleistungen begibt, heraus. Und das reagiert mit der Bekämpfung.
 
Starkes Immunsystem
Das Auftreten von Krankheiten sollte aber kein Grund zur Sorge sein, denn eine vermehrte Infektanfälligkeit ist ganz normal in diesem Alter. Bis zu zwölf Infekte sind hier nicht nur die Norm, sondern vor allem sinnvoll – das Immunsystem wird trainiert, entwickelt sich dadurch weiter und wird deshalb auch mit der Zeit stärker. Mediziner nennen dieses Phänomen das immunologische Gedächtnis, denn unser Körper merkt sich bestimmte Keime und Erreger und weiß dann, wie er darauf optimal reagieren soll. Nach ungefähr einem Jahr ist die körpereigene Abwehr des jungen Kindes dann ausgereift.
 
Gesunde Ernährung
Doch wie kann man dem Immunsystem des Kindes als Elternteil auf die Sprünge helfen? Einen Teil trägt man durch eine ausgewogene Ernährung bei. In den ersten Monaten ist natürlich die Muttermilch das Beste für ein Baby – sie enthält alle wichtigen Vitamine und Nährstoffe in optimaler Qualität. Gelingt das Stillen nicht bzw. möchte man aus persönlichen Gründen nicht stillen, schafft eine hochwertige und altersgerechte Flaschenmilch Abhilfe. Ab dem fünften Monat empfehlen Kinderärzte das Zufüttern von Beikost. Frisches Obst und Gemüse sowie vollwertige Produkte sind dabei ideal, um das Immunsystem zu stärken. Besonders hervorzuheben sind frische Lebensmittel, die Omega-3- sowie Omega-6-Fettsäuren enthalten. Das Zentralnervensystem von Kindern wächst nämlich relativ rasch und ist auf ein ausgewogenes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren angewiesen. Fisch, pflanzliche Öle (speziell Leinöl), Samen und Nüsse sollten deshalb in ausreichender Menge auf dem Speiseplan der Kinder stehen. Dr. Voitl merkt an: „Darüber hinaus sollte die Ernährung aber auch viel Freude bereiten und wohlschmeckend sein!“
 
Raus an die frische Luft
Neben einer gesunden, vitaminreichen Ernährung ist es wichtig, mit dem Säugling viel an die frische Luft zu gehen – auch bei schlechtem Wetter! Verbringt man genug Zeit in der Natur, wird die ­Vitamin-D-Bildung gefördert und damit auch die Abwehr gestärkt. Vor allem im Herbst oder Winter sollte man darauf achten, das Kind richtig zu kleiden. Als Faustregel gilt: Immer eine Schicht mehr anziehen, als man selbst trägt. Des Weiteren ist ausreichend Schlaf essenziell für ein gesundes Immunsystem. Neugeborene brauchen 15 bis 18 Stunden Schlaf pro Tag, Kleinkinder durchschnittlich zwölf bis 14 Stunden. Kindergartenkinder kommen mit zehn bis zwölf Stunden Schlaf aus.
 
Schutz vor der „echten Grippe“
Neben einem babygerechten Lifestyle wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Influenza-Impfung empfohlen, die ab dem 6. Lebensmonat zugelassen ist. Der Totimpfstoff regt den Körper an, Antikörper gegen die gängigsten Viren-Stämme der echten Grippe zu bilden. Unmittelbar nach der Impfung sollten Sie Ihr Kind gut beobachten und für Ruhe sorgen. Es ist ebenfalls ratsam, auch in den Folgetagen noch ein Auge auf gesundheitliche Veränderungen zu haben. Kinderarzt DDr. Voitl klärt (siehe Interview siehe unten) auf, warum dieser Schutz so wichtig ist.
 
ABWEHR STÄRKEN
Stillen:
Gerade am Anfang ist Muttermilch die beste Nahrung für Ihr Kind. Sie enthält nämlich alle wichtigen ­Vitamine und Nährstoffe in höchster Qualität. Außerdem stärkt das Stillen die Beziehung zwischen Mutter und Kind und sorgt für ­Geborgenheit. Ideal, um das ­Immunsystem zu stärken.

Zufüttern:
Wenn das Stillen aus medizinischer Sicht bzw. persönlichen Gründen nicht im Raum steht, bietet sich hochwertige Säuglingsnahrung als gute Alternative an. Auch mit dem Fläschchen schenken Sie dem Kind genug Aufmerksamkeit sowie Zweisamkeit, und die Väter kommen hier ebenfalls zum Zug.
 
Vitamin d:
In den ersten Lebensjahren ist die ausreichende Versorgung mit Vitamin D extrem wichtig für die Stärkung des Immunsystems sowie die Knochengesundheit. Dieses wird jedoch nur durch die direkte Sonneneinstrahlung auf die Haut erzeugt – für Babys ist diese Form aber nicht geeignet und die körpereigene Vitamin-D-Produktion dadurch eingeschränkt. Deshalb wird empfohlen, dem Säugling das Vitamin D in Tropfenform zu verabreichen.

Ruhe:
Ein besinnlicher Schlaf spielt sowohl für das Kind als auch die Eltern eine wichtige Rolle. Je erholsamer die Regenerationsphasen, desto stärker die Abwehr. Babys werden durch die stetigen Sinneseindrücke besonders schnell müde – im Schlaf werden ¬diese verarbeitet. Achten Sie auf ¬Signale: Augenreiben, Gähnen und Weinen sind Zeichen für Müdigkeit und Erschöpfung.
 
Hygiene:
Ein hygienischer Umgang mit dem Baby ist in den ersten Monaten wichtig. Besucher sollten sich vor dem Kontakt mit dem Kind die Hände waschen und kränkliche Personen in der ersten Zeit fernbleiben. Dennoch nicht übertreiben! Das kindliche Immunsystem wächst und reift nämlich durch den Kontakt mit Bakterien.

Kinder- und Jugendarzt DDr. Peter Voitl im Talk
Sollte man sein Kind impfen lassen? Und falls ja, wann ist der richtige Zeitpunkt?
DDr. Peter Voitl: Prinzipiell ist die Grippeimpfung ab dem 6. Monat möglich und von meiner Seite aus auch zu empfehlen. ­Genauso wie ältere Menschen verfügen Kleinstkinder nämlich über ein nicht ausgereiftes, in manchen Fällen sogar geschwächtes und somit schutzbedürftiges Immun­system. Kinder mit vorliegenden chronischen Erkrankungen, wie beispielsweise Asthma oder Herzproblemen, sind ebenfalls besonders schutzbedürftig.

Wann sollte man nicht impfen?
DDr. Peter Voitl: Es gibt Frühgeborene, die man erst ein bisschen später impfen sollte. Außerdem können Kinder mit einer angeborenen Immunschwäche nicht geimpft werden. Dafür ist es umso wichtiger, dass das Umfeld – also Eltern, Geschwister usw. – geimpft ist. Diese könnten den Influenza-Virus mit nach Hause nehmen und die nicht geimpften ­Babys und Kleinkinder anstecken.
 
Was sind die Vor- und Nachteile der Grippeimpfung?
DDr. Peter Voitl: Da der aggressive Influenzavirus hochansteckend ist und über Tröpfchen übertragen wird, gewährt die Grippeimpfung Schutz davor. Zusätzlich kann das Grippevirus gemeinsam mit dem RS-Virus (Anm.: Respiratorische Synzytial-Virus) auftreten, das für Säuglinge und Kinder besonders gefährlich sein kann. Wichtig zu erwähnen ist, dass es durch den injizierten Totimpfstoff zu keinem Ausbruch der Krankheit kommen kann. Jedoch können unter Umständen Nebenwirkungen, wie etwa eine gerötete Einstichstelle, leichtes Fieber (Anm.: Pyrexie; flaut nach spätestens zwei Tagen wieder ab) sowie Gemütsverstimmungen, auftreten. Unmittelbar nach der Impfung sollten Sie Ihr Kind gut beobachten und für Ruhe sorgen. Es ist ebenfalls ratsam, in den Folgetagen ein Auge auf gesundheitliche Veränderungen zu haben.
 

 

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