Nachholbedarf bei der Schwangerschaftsverhütung

Schlecht informiert

Nachholbedarf bei der Schwangerschaftsverhütung

Die Österreicherinnen könnten Aufholbedarf in der Schwangerschaftsverhütung haben. Sechs Prozent setzen auf das "Aufpassen", was immer damit gemeint ist. Das gaben neun Prozent von 1.000 Befragten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren auch für das "erste Mal" an, wobei 13 Prozent ganz auf Verhütung verzichtet hatten. Diese Daten wurden am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert.

13 Prozent verzichteten beim "ersten Mal" komplett auf Verhütung

Die repräsentative Online-Umfrage wurde von dem Pharmaunternehmen "Gynial" in Auftrag gegeben und befasste sich mit dem ganzen Spektrum der Frauengesundheit. Die erste Menstruation haben die Österreicherinnen durchschnittlich am häufigsten im Alter von 13 Jahren (27 Prozent). Im Alter von 16 Jahren haben sie mit einer Häufigkeit von 24 Prozent zum ersten Mal Sex (17 Jahre: 20 Prozent). Junge Frauen mit höherer Bildung sind da später dran als andere. Beim ersten Geschlechtsverkehr haben 47 Prozent mit einem Kondom verhütet, immerhin bereits 35 Prozent mit der "Pille". Neun Prozent haben laut den Angaben "aufgepasst", insgesamt 13 Prozent laut den Angaben in den Unterlagen gänzlich auf die Verhütung einer Schwangerschaft verzichtet.

19 Prozent der Frauen benutzen die "Pille", bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 41 Prozent. Das Kondom verwenden 16 Prozent (Intrauterinpessare: fünf Prozent). Sechs Prozent verhüten, indem sie "aufpassen".

"Das 'Einstiegsalter' hat sich in den letzten 30 Jahren nicht verändert", sagte die Wiener Sexualmedizinerin Elia Bragagna. Bedenklich sei, dass junge Frauen beim ersten Sex noch immer relativ häufig auf eine Verhütung verzichteten und noch immer relativ viel Frauen auch später nicht zu sicheren Mitteln griffen.

Sechs Prozent verzichten auf die Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen

48 Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen zu gehen, sechs Prozent nie, 18 Prozent sogar zweimal im Jahr. 73 Prozent lassen dann einen Krebsabstrich durchführen. 14 Prozent waren schon einmal mit dem Befund einer möglichen Gebärmutterhals-Vorstufe konfrontiert, was 21 Prozent bei Warten bis zur nächsten Untersuchung in Angst versetzte. Immerhin 34 Prozent der Frauen mit einem solchen Befund mussten sich dann binnen drei bis sechs Monaten einem gynäkologischen Eingriff unterziehen. Kinderwunsch haben die Österreicherinnen am ehesten im Alter zwischen 26 und 30 Jahren. Hat sich der Nachwuchs dann eingestellt, leiden 48 Prozent der jungen Mütter an Schlafmangel, 32 Prozent haben Gewichtsprobleme, und 24 Prozent gaben "sexuelle Lustlosigkeit" an. Immerhin 22 Prozent verzichten im ersten Halbjahr nach der Geburt auf Kontrazeption.

15 Prozent konnten den Begriff "Menopause" nicht beschreiben

Auch beim Wissen rund um Menopause, Wechsel etc. sind die Österreicherinnen offenbar nicht ausreichend informiert. 15 Prozent konnten den Begriff "Menopause" nicht beschreiben, vier Prozent gaben eine falsche Antwort. 83 Prozent der Frauen im Wechsel gaben als Symptome Hitzewallungen und Schweißausbrüche (nur von 75 Prozent vor dem Wechsel erwartet). Dann folgen Stimmungsschwankungen mit einer Häufigkeit von 63 Prozent und Gewichtszunahme (56 Prozent). Sieben Prozent der Teilnehmerinnen an der Umfrage nach der Menopause erklärten, sie hätten eine Hormonsubstitution eingenommen, elf Prozent gaben eine laufende Hormonersatztherapie an. 43 Prozent erklärten, ihr Sexualleben hätte sich mit dem Wechsel verändert, was zu 60 Prozent mit weniger Lust bzw. Lustlosigkeit einher ging.

Der Wiener Gynäkologe Johannes Huber verwies auf immer wieder sich verändernde Ansichten der Medizin in Sachen hormoneller Kontrazeption und Hormonsubstitution: "In der Kontrazeption hat die Medizin Fehler gemacht." Ab der "Pille der 3. Generation" sei es auch zu einer Erhöhung des Risikos für Thrombosen unter hormoneller Verhütung gekommen.

Umgekehrt hätten sich die in der sogenannten Women's Health Initiative-Studie vor 14 Jahren geäußerten Verdachtsmomente gegen die Hormonsubstitution wegen eines erhöhten Brustkrebsrisikos laut Autoren der Untersuchung als "Missverständnis" herausgestellt. Man sollte auch einen schützenden Effekt bei Frauen in Sachen Morbus Alzheimer berücksichtigen.

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