Migräne: Was wirklich hilft

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Migräne: Was wirklich hilft

Der Tag war lange – und er ist noch nicht vorbei. Der Stresspegel ist hoch, die abzuarbeitenden Aufgaben zahlreich und ein allzu bekanntes Gefühl macht sich breit: Kopfschmerz. Doch der Schmerz kann auch ganz anders: So starten Sie etwa gerade entspannt ins Wochenende und er trifft Sie wie ein Blitz. Als ob das Pochen nicht genug wäre, zieht mit der Schmerzfront auch noch Übelkeit auf – die Attacke ist angekommen. 
 
Ist es Migräne?
Kopfschmerzen sind vielfältig und entsprechend unterschiedlich auch ihre Ursachen. „Fast 90 Prozent aller Kopfschmerzen lassen sich drei Kategorien zuordnen: Spannungskopfschmerz, Migräne und Cluster-Kopfschmerz“, erklärt Facharzt für Neurologie, Dr. Michael Stingl. „Spannungskopfschmerz ist besonders häufig vertreten.“ Er hat seine Ursachen oft in schlechter Haltung oder Überbelastung (z. B. durch übermäßige Mobilgeräte-Nutzung und dadurch bedingte Nackenbelastung) und zeichnet sich durch drückende Schmerzen im Kopf- oder Nackenbereich aus. Neurologische Symptome bleiben meist aus. Anders ist es bei Migräne: „Die Schmerzattacken werden häufig von einer ‚Aura‘-Symptomatik begleitet. Sehstörungen wie etwa Flimmersehen können vorkommen, in extremen Fällen auch Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen“, so der Neurologe. Migräneschmerzen sind meist einseitig lokalisiert und treten in Attacken auf. Leichte bis starke Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Intensivierung der Schmerzen bei körperlicher Belastung sind häufige Begleiterscheinungen. 
 
Auslöser der Migräne
„Die Ursachen einer Migräne sind individuell sehr verschieden“, erklärt Dr. Stingl. „Oftmals ist eine Hormonabhängigkeit gegeben, die besonders Frauen betrifft. Manche Migränepatientinnen leiden etwa ausschließlich während der Monatsblutung an Attacken.“ Daneben sind Stress oder plötzliches Nachlassen von Stress („Wochenendmigräne“), ein veränderter Schlafrhythmus, bestimmte Speisen (z. B. histaminhaltige wie Rotwein oder Käse) oder das Wetter häufige Auslöser. Doch die Ursachen können auch ganz woanders liegen. „Deshalb ist es so wichtig, dass eine Migräne immer von einem Neurologen, einer Neurologin abgeklärt wird“, so Dr. Stingl. „Bei gelegentlichen Kopfschmerzen muss kein Alarm geschlagen werden, aber bei Leuten, die zwei-, drei- oder viermal im Monat richtige Migräneattacken haben, ist es wichtig, einen möglichen Auslöser zu finden. Bei Migräneformen, die mit neurologischen Symptomen einhergehen, ist es zudem notwendig, andere, ernstere Ursachen auszuschließen.“
 
Die richtige Therapie
„Prinzipiell sind nicht medikamentöse Therapien sehr wichtig, da an Auslösern sowie an der Migränevorbeugung häufig gut selbst gearbeitet werden kann“, so der Neurologe. „Je nach Auslöser kann etwa die Senkung des Stresslevels oder die Vermeidung spezieller Lebensmittel viel zur Attackenprävention beitragen.“ Daneben sind verschiedene medikamentöse Therapien verfügbar, die gezielt bei Attacken eingesetzt werden. „Für die Wirksamkeit ist entscheidend, dass das richtige Medikament in der richtigen Dosis und zum richtigen Zeitpunkt eingenommen wird. Oftmals sind die verordneten Präparate nur wirksam, wenn sie sofort bei ersten Anzeichen eingenommen werden“, weiß Dr. Stingl. Vorsicht ist auch vor zu häufiger Medikamenteneinnahme geboten: „Als Faustregel gilt, dass maximal sechs- bis zehnmal pro Monat Medikamente wegen Kopfschmerzen eingenommen werden dürfen, denn auch sie können Kopfschmerzen verursachen. Bei sehr häufigen Migräneattacken kann eine medikamentöse Vorbeugung sinnvoll sein. Gerade in der Migräneprävention können wir jedoch auch ohne Medikamente oft viel erreichen.“ Akkupunktur etwa erzielt laut Dr. Stingl oft sehr gute Erfolge, jedoch muss die Behandlung wiederholt werden. Ebenfalls sehr effektiv zeigt sich Elektrostimulation, bei der elektrische Impulse schmerzleitende Nerven stimulieren. Beide Therapien können, sofern die Patienten darauf ansprechen, die Anzahl der Attacken reduzieren oder die Schmerzintensität abschwächen.

Zukunftstherapie: ­Monoklonale Antikörper
Neueste Studien belegen die sehr gute Wirksamkeit sogenannter „monoklonaler Antikörper“. Sie hemmen die Aktivität des Neuropeptides CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), das an der Entstehung von Migräne beteiligt ist. Entsprechende neu entwickelte Medikamente zeigten gute Ergebnisse und sollen bald auf den Markt kommen. „Die Studienlage klingt sehr vielversprechend und monoklonale Antikörper könnten bald eine sehr wirksame Option in der Migräneprävention sein“, so Dr. Stingl.
 
 
❯❯ Kopfschmerz-Arten im Check
✏ Spannungskopfschmerz
Die häufigste Kopfschmerzform ist jene vom Spannungstyp. Unter anderem sind schlechte Haltung oder Überbelastung (z. B. „Handynacken“) Ursachen. Drückende Schmerzen im Kopf („Schraubstock-Gefühl“) und eventuell im Nacken sind klassische Symptome. 
 
✏ Clusterkopfschmerz
Clusterschmerzen treten attackenartig und häufig nachts auf. Die Schmerzen sind während der oft nur kurzen Attacken sehr stark ausgeprägt und meist einseitig, hinter dem Auge lokalisiert. Augenrötungen oder laufende Nase können auftreten. Die Schmerzursache ist eine Reizung des Trigeminusnervs.
 
✏ Migräne
Der Migräneschmerz ist von meist einseitig pochendem Kopfschmerz charakterisiert, dazu kommt leichte bis ausgeprägte Übelkeit. Lärm- und Lichtempfindlichkeit und neurologische Symptome kommen oftmals hinzu: Sehstörungen sind möglich und in Extremfällen Sprachstörungen und Halbseitenlähmung. Die Ursachen sind individuell.

❯❯ Migräne richtig erkennen

 
Diese häufigen Symptome deuten auf eine Migräne hin. Treten die 
Attacken öfter auf, sollte unbedingt ein Neurologe konsultiert werden:
 
  • meist einseitig pochende Kopfschmerzen (manchmal jedoch auch beidseitig möglich)
  • leichte bis starke Übelkeit
  • Lärm- und Lichtempfindlichkeit
  • Schmerzen werden unter körperlicher Belastung stärker
  • „Flimmersehen“ oder leicht verschwommenes Sehen
  • in extremen Fällen: Sprachstörungen, Halbseitenlähmung und ähnliche schwere neurologische Symptome möglich
  • Kopfschmerz-Attacken treten öfter als „gelegentlich“ auf
  • bei Frauen: Attacken treten vermehrt in bestimmten Zeitfenstern des Zyklus auf.

 

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