Intoleranzen werden immer häufiger

Alarm im Darm

Intoleranzen werden immer häufiger

Gerade noch haben die ­frischen Früchte so gut geschmeckt, doch schon zwickt es im Bauch? Ein Glas Milch, und das Rumoren hört nicht mehr auf? Wenn Sie diese Symptome kennen, leiden Sie vielleicht an einer Lebensmittelunverträglichkeit oder einer Sensibilität. Alleine sind Sie damit nicht – rund 17 Prozent der Österreicher sind davon ­betroffen. Die Ursache ist, wie bei so vielen Erkrankungen, im Darm zu suchen.

Unterschätztes Organ
Mit rund sieben bis neun Metern Länge und einer Oberfläche von etwa 400 Quadratmetern ist der Darm das größte innere Organ. Er leistet Beachtliches: Neben der Verdauung von Nahrung und Flüssigkeit ist der Darm auch der Sitz unseres ­Immunsystems. Er sorgt dafür, dass ­unser Essen in für den Körper verwertbare Nahrungsbestandteile aufgespaltet wird und unser Körper mit lebenswichtigen Stoffen versorgt wird. Bei vielen Menschen ­verursachen allerdings gewisse Bestandteile immer häufiger Probleme. Weil Symptome wie Völlegefühl, Bauchschmerzen und Durchfall eher unspezifisch sind, wird die Diagnose Lebensmittelunverträglichkeit bei vielen Menschen erst nach jahrelangem Leiden gestellt.

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1. Gluten Gluten ist ein Gemisch aus Eiweißstoffen, das in Samen von Getreide vorkommt. Daher ist Gluten Bestandteil von Lebensmitteln, in denen Getreide vorkommt – zum Beispiel Brot. Wer auf Gluten überempfindlich reagiert kann eine Zöliakie, eine entzündliche Erkrankung der Darmschleimhaut, entwickeln.
2. Laktose Intoleranz gegenüber Milchzucker. Wer an einer Laktoseintoleranz leidet, sollte alle Milchprodukte meiden. Symptome sind Blähungen, Bauchkrämpfe, Übelkeit bis hin zu Akne und Gliederschmerzen.
3. Histamin Der Nahrungsmittelbestandteil Histamin ist ein Naturstoff, der sich in unterschiedlicher Konzentration in fast allen Lebensmitteln findet. Symptome einer Histamintoleranz können Durchfall, Erbrechen, Asthma oder Kopfschmerzen sein.
4. Fruktose Wie der Name bereits sagt, ist der Fruchtzucker vor allem in Früchten enthalten. Bei der Fruktoseintoleranz kann die Fruktose in der Leber nicht richtig abgebaut werden. Symptome: Durchfall, Blähungen und Schmerzen bis hin zu Leberschädigungen und Nierenschädigungen.

Die Ursachen
Nahrungsmittelintoleranzen treten auf, weil ein Enzymmangel oder -defekt vorliegt. Dieser kann entweder angeboren oder erworben sein. Dazu kommt, dass beispielsweise im Falle der Fruktoseintoleranz ein an sich gesunder Darm mit dem Überangebot nicht fertig wird. Fruktose findet sich nämlich nicht nur in Obst und Gemüse, sondern versteckt sich auch in zahlreichen Fertigprodukten, wie etwa Ketchup, Fruchtjoghurts und sogar ­Pommes.

Die Beschwerden
Bei den gängigsten Intoleranzen ähneln sich die Symptome sehr: Es kommt zu Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Durchfall und Gewichtsverlust. Treten diese Beschwerden auffällig oft auf, empfiehlt es sich, einen Arzt zu konsultieren und ihn um einen Intoleranz-Test zu bitten. Bleiben nämlich Unverträglichkeiten über längere Zeit bestehen, kann es in weiterer Folge zu Erkrankungen kommen, die auf einen Nährstoffmangel zurückzuführen sind. Muskelschwund, Blutarmut, Osteoporose und Erkrankungen des Nervensystems können auftreten. Eine Abklärung ist daher in jedem Fall sinnvoll.

Gesunder Darm
Ein gesunder Darm ist nicht nur für unsere Verdauung wichtig, sondern wirkt sich auch positiv auf das Wohlbefinden aus, wie immer mehr ­Erkenntnisse aus der Forschung belegen. Wissenschaftler fanden heraus, dass durch die Einnahme von probiotischen Bakterien das Darmmilieu positiv beeinflusst werden kann. Entzündungen, wie sie beispielsweise bei Glutenunverträglichkeit vorkommen, kann so entgegengewirkt werden.

Achten Sie Ihrem Darm zuliebe außerdem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ausgewogene Ernährung. Lassen Sie Lebensmittel, die Ihnen nicht guttun, weg! Auch regelmäßige Bewegung trägt dazu bei, dass es dem Darm gut geht. Vermeiden Sie außerdem zu viel Stress – nicht nur Ihrem Darm zuliebe!

Bestseller Darm
Giulia Enders: Die sympathische junge Wissenschaftlerin schaffte mit ihrem Buch über den Darm („Darm mit Charme“, ­Ullsteinverlag, um 17,50 Euro), was nur wenigen Sachbüchern gelingt: Mit mehr als 500.000 verkauften Exemplaren hat sie sich ihren Fixplatz in sämtlichen Bestseller-listen gesichert. Kein Wunder – erklärt sie doch mit großer Leidenschaft und ebenso viel Humor, welch Wunderwerk unser Darm eigentlich ist und wie wir dazu beitragen, ihn gesund zu halten.

Giulia Enders über die Zunahme von Unverträglichkeiten und Nahrungsmittelsensitivitäten:
Während unsere Urahnen, die Jäger und Sammler, jedes Jahr bis zu fünfhundert ­verschiedene einheimische Wurzeln, Kräuter und Pflanzen aßen, kommt unser Essen heute größtenteils von siebzehn Nutzpflanzen. Es ist nicht merkwürdig, wenn unser Darm mit solchen Umstellungen seine Schwierigkeiten hat. Weizen zum Frühstück, Mittagessen und Abendbrot, Fruktose in ­jedem Fertigprodukt, das nicht bei drei auf dem Baum ist, oder Milch lange nach der Säuglingszeit – es ist nicht verrückt, wenn das dem eigenen Körper nicht gefällt. Was wir also als Nahrungsmittelintoleranz einsortieren, ist womöglich nur die Reaktion ­eines völlig normalen Körpers, der sich ­innerhalb von einer Generation auf eine ­Ernährung umstellen muss, die er Millionen Jahre zuvor nicht hatte.

Giuilia Enders über die Frage, ob man mit zunehmendem Alter generell auf den Konsum von Milchprodukten verzichten sollte:
In den meisten Fällen hat man noch Laktose spaltende Enzyme im Darm, aber ihre Aktivität ist einfach etwas heruntergeschraubt. Sagen wir auf 10 bis 15 Prozent von dem, was sie früher mal konnten. Wenn man also feststellt, dass man ohne ein Glas Milch ein ­angenehmeres Bauchgefühl hat, kann man in Ruhe für sich herausfinden, wie viel noch geht und ab wann die Probleme kommen. Ein Stück Käse oder Sahne im Kaffee sind dann oft völlig in Ordnung, genauso wie Milchcremes in Süßigkeiten.

Giulia Enders über den Unterschied zwischen Zöliakie und Glutensensitivität:
Bei einer Glutensensitivität kann man Weizen essen, ohne davon starke Dünndarmschäden zu bekommen, aber man sollte es nicht übertreiben. Momentan lässt sich die Diagnose in etwa so zusammenfassen: ­Beschwerden bessern sich bei glutenfreier Ernährung, obwohl die Untersuchungen auf Zöliakie negativ sind.

Giulia Enders über Fruktoseintoleranz:
Auch bei der Fruktoseintoleranz gibt es starke, angeborene Unverträglichkeiten, die ­Betroffenen reagieren schon auf geringste Mengen mit Verdauungsproblemen. Der Großteil der Menschen hat aber eher ein Problem mit zu viel Fruktose.

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