28. Dezember 2018 18:15
Die besten Tipps
Erste Hilfe bei Erkältung
Die Nase läuft, die Ohren schmerzen, dann setzt auch noch Hustenreiz ein – eine Erkältung hat zugeschlagen. Alles, was die Symptome schnell und effektiv lindert, ist jetzt willkommen.
Erste Hilfe bei Erkältung
© Getty
Gerade über die Feiertage hinweg kommt eine Erkältung, eine Infektion der oberen Atemwege, mehr als ungelegen. Doch mit ein paar Erste-Hilfe-Maßnahmen lassen sich die Symptome in den Griff bekommen und erträglicher gestalten. Es kann sich lohnen, sich bei den ersten Anzeichen gegen den grippalen Infekt zur Wehr zu setzen, um den vollständigen Ausbruch abzuwenden oder zumindest den Erkältungsverlauf deutlich abzuschwächen. Allgemein stehen Hausmittel oder medikamentöse Mittel zur Verfügung.
 
Grundsätzliches beachten
A wie Ausruhen: Wer sich abgeschlagen fühlt, sollte sich erstmal Ruhe gönnen. Sie ist das A & O im „Therapieplan“. So kann der Körper dem Immunsystem mehr Energie zur Verfügung stellen und den Krankheitserregern besser Widerstand leisten. Also: schlafen, sich schonen und dabei immer schön warm halten!
Schleimhäute unterstützen: Ein weiteres oberes Gebot lautet: Schleimhäute feucht halten! Nur so können sie ihre Funktion ausüben und sich dem Eindringen von Krankheitserregern in unseren Organismus entgegenstellen. Trockene Heizungsluft in den Wohnräumen wirkt dem allerdings entgegen. Darum sollte ein Hauptaugenmerk auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr gelegt werden. Wasser und Tee sind ideal. Und eine Möglichkeit, das Zimmer gleichzeitig warm und mit nötiger Luftfeuchtigkeit zu halten, ist das Aufstellen von Wasserschälchen, aus denen das darin befindliche Wasser in die Umgebung verdunstet.
Gesunde Ernährung: Auch sie ist jetzt besonders wichtig. Mit einer optimalen Versorgung des Immunsystems können Sie ihm bei der Arbeit helfen. Gesunde Ernährung heißt: viele Vitamine und wenig Zucker. Ein Beispiel für wahres Wundermittel: in Verbindung mit Zink stärkt Vitamin C das Immunsystem.
Warm halten: Wer fröstelt und friert, dem hilft ein warmes Wannenbad (optimal 38 Grad). Wer mag, kann ins Badewasser ätherische Öle wie Eukalyptus einträufeln oder einen Badezusatz speziell gegen Erkältungen (erhältlich in Drogerien oder Apotheken) beifügen. Ätherische Öle, also Auszüge aus Kräutern, werden übrigens schon seit Jahrhunderten zur Heilung eingesetzt. Die Kräuterinhaltsstoffe haben abschwellende Wirkung, bekämpfen die Entzündung und besitzen Schleimstoffe, die den Hustenreiz in den oberen Atemwegen lindern (eine Kräutermischung aus Apotheke oder Reformhaus enthält Hunderte verschiedene Substanzen, die Hilfe gegen Husten und Schnupfen bieten). Bei kalten Händen und Füßen reicht schon eine kleine Wanne mit sehr warmem Wasser, in dem die Extremitäten für ein paar Minuten gebadet werden können.  

Große Palette an Hausmitteln
Inhalieren: Bei rinnender Nase hilft die Methode der Dampfinhalation (Einatmen von heißen Dämpfen unter einem Handtuch für etwa 10 Minuten). Dabei werden die Atemwege angefeuchtet und ihre Reinigungsfunktion unterstützt. In ihrem Buch „Zwiebelwickel, Essigsocken & Co.“ (erschienen im Verlag Eden Books, 15,40 Euro) stellen Karin Berndl und Nici Hofer u. a. die „Kamille-Salz-Inhalation“ zur Milderung der Erkältungssymptome und Befreiung der Atemwege vor: ein Liter Wasser kochen, eine Handvoll getrocknete Kamillenblüten und drei Esslöffel Meersalz hineingeben. Die Autorinnen erklären auch gleich, warum es für sie funktioniert: „Kamille desinfiziert, ist krampflösend und hat außerdem entzündungshemmende Eigenschaften. Meersalz löst Schleim, stärkt das Immunsystem und wirkt keimtötend.“
Ein „Packerl“ schnüren: Die beiden haben noch weitere traditionelle Hausmittel neu entdeckt. So etwa das „Meerrettichpackerl“ bei Sinusitis und Erkältung – für sofortige Linderung. Dazu frischen Meerrettich waschen und einen Teelöffel voll so fein wie möglich reiben. Den geriebenen Meerrettich mittig auf einem Baumwollstoffstück platzieren und mit dem Stoff zudecken. Das Packerl dann maximal drei Minuten lang auf den oberen Nackenbereich oder die Stirn legen. „Meerrettich löst Schleim, ist antimikrobiell und regt die Durchblutung an. Genau, was man braucht, um sich auszukurieren!“, so die Autorinnen.
Oder ein „Wickerl“: Gegen Erkältung, Bronchitis und Halsschmerzen nutzen Berndl und Hofer auch die antibakterielle, entzündungshemmende und desinfizierende Wirkung von Zwiebeln. „Sie sind außerdem reich an den Vitaminen A, B1, C und E – allesamt wirksame Antioxidantien“, so die beiden. Für ihren „Röstzwiebel-Wickel“ empfehlen sie, zunächst etwas Kokosöl in einer Pfanne zu erhitzen und darin ein bis zwei fein geschnittene Zwiebeln weich und goldbraun zu braten. Dann die warmen Zwiebeln in einem Geschirrtuch (vorzugsweise Baumwollmusselin) zu einem Wickel falten und auf dem Brustkorb mit einem Handtuch fixieren.
Aufgüsse und Gurgeln: Als Hausmittel bei Halsschmerzen und Heiserkeit versprechen Salbeiaufgüsse Linderung. Berndl/Hofer erklären, wie’s geht: Man übergieße drei bis vier Salbeiblätter mit einer Tasse kochendem Wasser (250 ml), lasse das Ganze zehn Minuten lang zugedeckt ziehen, gieße die Blätter ab und trinke den Tee. „Dieser Tee kann auch zweimal pro Tag zum Gurgeln verwendet werden.“ In ihrem weiteren Repertoire gegen Erkältungssymptome sind etwa „Essigsocken“ (bei Fieber), „heiße Zwiebelmilch“ (Husten) oder ein „Zitronen-Knoblauch-Trunk“ (Halsschmerzen).
 
Medikamente
Von Spray bis Tablette: Bei Schnupfenbeschwerden etwa gibt es Nasensprays mit abschwellenden Wirkstoffen (Nasenspray mit pharmazeutischen Wirkstoffen maximal sieben Tage lang anwenden!), schleimlösende Hustenmittel erleichtern das Husten, Kopfschmerzen und Fieber rückt man mit Medikamenten zu Leibe, die beispielsweise den Wirkstoff Paracetamol (Arzneistoff aus der Gruppe der Nichtopioid-Analgetika) enthalten. Paracetamol wird im Rahmen der Selbstmedikation eingesetzt und steht übrigens seit 1977 auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO.
Mit der „echten Grippe“, der Influenza, ist nicht zu spaßen. Im Gegensatz zur Erkältung treten ihre Symptome plötzlich auf, sehr heftig und sogar mit Fieber bis zu 40 Grad. Typische Alarmzeichen sind – neben Fieber: Schüttelfrost, intensive Kopf- und Gliederschmerzen, starker, trockener Husten. Hals- und Ohrenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen sind mögliche Begleiterscheinungen. Vor allem Säuglinge, Schwangere, ältere Menschen oder Personen mit chronischen Erkrankungen sollten bei den ersten Anzeichen lieber ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. 
 
Das A & O ist Schonung
Oberstes Gebot ist rigorose Schonung. Wird diese dem Körper nicht gewährt, kann es zu schwerwiegenden Folgen, etwa einer gefährlichen Herzmuskelentzündung, kommen. Dr. Christopher Wolf beispielsweise, FA für Kardiologie, greift selbst im Ernstfall zu Tamiflu. In den ersten 36 Stunden der Erkrankung eingenommen, schwächt und verkürzt es den Verlauf der Erkrankung. 
 
WICHTIG: Wenn’s „Dicke“ kommt, stößt die Selbstbehandlung an ihre Grenzen. Bei Symptomen einer Grippe sollten Sie umgehend einen Arzt konsultieren!

 

Verlauf einer Erkältung

 
Die Anfangsphase:
Tag 1 & 2. Rund zwei Tage nach einer Infektion treten die ersten Symptome auf. Abgeschlagenheit, Halsschmerzen,  Kopf- und Gliederschmerzen in leichter Form kündigen die sich anbahnende Erkrankung an. Wer jetzt entsprechend handelt, kann den weiteren Verlauf des Infekts abschwächen.
 
Die Akutphase:
Tag 3–5.  Jetzt treten die Symptome in deutlich verstärkter Form auf. Die Nase läuft oder ist verstopft, Kopf- und Gliederschmerzen nehmen zu und Halsschmerzen lassen das Schlucken schwerfallen. Erhöhte Temperatur oder leichtes Fieber können hinzukommen. Plötzlich auftretendes hohes Fieber lässt hingegen statt eines grippalen Infekts eher auf eine „echte“ Grippe schließen – ab zum Arzt (s. auch S. 22)! Schonung hat während dieser Phase oberste Priorität – schrauben Sie Ihre Aktivität zurück.
 
Die Spätphase:
Tag 6–9.  Kopf- und Gliederschmerzen lassen nach, auch die Nase wird langsam wieder frei. Dafür kann nun ein trockener Reizhusten auftreten, der sich im weiteren Verlauf zu einem festsitzenden Husten, teils mit zähem Schleim, entwickeln kann. Wer nun weiter am Ball bleibt, sich schont und die Erkältung gezielt behandelt, ist 
sicher bald erkältungsfrei.
 
Erkältung überstanden?
Doch heißt es nicht eigentlich, nach sieben Tagen ist der Spuk vorbei? Stimmt prinzipiell – dennoch empfehlen Experten, sich über diesen Zeitraum hinaus zu schonen, denn wer den Infekt nicht vollständig auskuriert und gegebenenfalls zu früh an den Arbeitsplatz zurückkehrt, riskiert einen Rückfall.
Tag 10. Endlich ist es so weit: Die Symptome sind im besten Fall komplett abgeklungen. Dennoch ist es jetzt wichtig, nichts zu überstürzen. Vermeiden Sie Überanstrengung und kehren Sie langsam in den gewohnten Alltag zurück. Besonders in Sachen Sport gilt: Gehen Sie es langsam an!