Die Pollen sind zurück

Welche Allergien im Herbst auftreten

Die Pollen sind zurück

das Jahr 2018 startete für Allergiker mit einer wahren  Pollenexplosion. Nach einem milden Jänner gefror die Blüte im eiskalten Februar und März buchstäblich ein, um danach wieder mit besonderer Intensität zurückzukehren. Allen voran die Birke machte den Betroffenen deutlich mehr zu schaffen als in anderen Jahren.  
 Im nahenden Herbst sind es andere Pflanzen, die ihr „Unwesen“ treiben und durch die fliegenden Pollen und Sporen bei Allergikern eine überschießende Reaktion des Immunsystems auslösen. Das geschieht, da die in den Pflanzen enthaltenen fremden Eiweißstoffe als „Feind erachtet“ werden und der Organismus mit aller Kraft versucht, die Allergene abzuwehren. Die Folge: tränende Augen, Juckreiz, Neurodermitis oder sogar Asthma.  
 
Beifuß und Ragweed
Der prominenteste Allergieauslöser des Herbstes ist Ragweed (Ambrosia artemisiifolia). „Je nach Reaktionsmuster“, so Mag. Dr. Katharina Bastl vom Österreichischen Pollenwarndienst der MedUni Wien, „leiden Ragweedpollenallergiker kürzer oder länger.“ Je geringer die Pollenkonzentration ist, auf die Betroffene reagieren, desto länger und intensiver können die Symptome ausfallen. Wichtig ist vor allem für diese Gruppe von Allergikern, die aktuelle Polleninformation der MedUni Wien zu beachten, da sich die Belastungsintensität rasch ändern kann. Denn es spielt nicht nur die lokale Blüte, sondern auch der Ferntransport ­eine wichtige Rolle. Der Südosten Europas ist stärker von Ragweed betroffen. Daher werden mit Südostwind jede Menge Ragweedpollen eingeweht. Sinkt dieser über  Nacht, wenn die Thermik fehlt, ab, wird die Pollenbelastung erhöht. „Daher“, so Mag. Dr. Bastl, „empfehlen wir, gerade in dieser Zeit die Fenster nachts geschlossen zu halten (Anm: weitere Tipps am Ende des Artikels).“ 
 
Da die Ragweedsaison in diesem Jahr schon überdurchschnittlich früh begonnen hat, prognostiziert der Österreichische Pollenwarndienst der Medizinischen Universität Wien, eine stärkere ­Belastung als üblich im September. Wird der Herbst mild und bleibt die Bedingung für die Ragweedpollen günstig, könnte eine Belastung bis in den Oktober hinein bestehen.   
 
Die Beifuß-Blüte tritt im Herbst bereits ihren Rückzug an: Bereits im September wird nur mehr geringer Pollenflug gemessen, und hört schließlich ganz auf. Hier kann also Entwarnung gegeben werden. Die stärkste Belastung tritt im Osten Österreichs auf. 
Auch die Pilzsporen haben ihren Höhepunkt bereits überschritten. Ihre Hauptsaison mit der höchsten Auswirkung liegt – aufgrund ihrer Vorliebe für feucht-warmes Wetter – im Sommer. Doch: Obwohl die Sporenflugzeit bereits im Frühjahr beginnt, kann es vorkommen, dass sie bis in den Spätherbst oder sogar bis zum Winter andauert. Das hängt ganz von den Wetterbedingungen ab: Bleibt es länger freundlich, können leichte bis hohe Belastungen noch im September und Oktober auftreten. Auch hier ist also Vorsicht für Allergiker geboten. 
 
Die zu den Nadelbäumen gehörige Zeder kann in seltenen Fällen durch ihre Pollen ebenfalls zu allergischen Reaktionen führen. Doch zählt das das bei uns in Österreich zu den raren Ausnahmefällen. 
 
Achtung an den ersten kalten Tagen
Allergene, die ganzjährig, aber mit Anfang der Heizperiode, sprich im Herbst, verstärkt zu Symptomen führen, sind jene  der Hausstaubmilbe (Dermatophagoides). Sie gehört zu der Familie der Spinnentiere und ernährt sich von menschlichen und tierischen Hautschuppen. An sich unschädlich, führt das Einatmen der Ausscheidungen bei Allergikern zur Irritation der Atemwege. Ständig gereizte, geschwollene und infektionsanfällige Schleimhäute, Nebenhöhlenbeschwerden, Kopfschmerzen, Husten und Atembeschwerden, die pfeifende, giemende  Geräusche nach sich ziehen,  sind die Folge. Außerdem können bei intensivem Kontakt (z. B. im Bett) allergische Hautausschläge entstehen.
 
Richtiger Umgang mit Allergenen
Bei allen Allergenen – abgesehen von Pollen und Hausstaubmilben sind das auch Tierhaare und bestimmte Lebensmittel – gilt: Fachwissen und der richtige Umgang können vor Ausbruch der Symptome schützen. Allen voran spielt die Vermeidung der Beschwerde auslösenden Stoffe bei der Eingrenzung der Symptome eine essenzielle Rolle. Z .B. ist bei einer Allergie gegen die Hausstaubmilbe eine komplette Sanierung des Wohnraumes angeraten. Bei Pollen kann das Einbauen respektive Tauschen von Filtersystemen an Fenstern und im Auto Linderung verschaffen. Zudem gilt es für Betroffene, mithilfe des Facharztes die richtige und maßgeschneiderte Therapie zu finden. Diese reicht von alternativen Heilmethoden (wie TCM, Akupunktur, Bioresonanz oder Homöopathie) über die Gabe von Antihistaminika, die die Histaminrezeptoren im Körper blockieren bis hin zu  neue Formen wie Biologika. Das sind biotechnologisch hergestellte Proteine, ­beispielsweise monoklonale Antikörper oder Botenstoffe (Zytokine), die alle 14 bis 60 Tage über einen individuell festgelegten Zeitraum injiziert werden und aufgrund ihrer entzündungshemmenden ­Eigenschaften eine vielversprechend ­positive Wirkung bei Asthma und rezidivierende Urtikaria (Nesselsucht) zeigen. 
 
Diagnostik und Impfung 
Obwohl die Wissenschaft unaufhörlich an der Erforschung von Allergien, Schutzimpfungen und an Therapieformen arbeitet, konnte bis jetzt kein Heilmittel gefunden werden. Dafür macht die Diagnostik rasante Fortschritte und auch auf dem Gebiet der Allergie-Impfung gibt es immer wieder Erfolge zu verzeichnen. Inzwischen kann man mit nur einem Chip Hunderte Allergene austesten und sich mittels Hyposensibilisierung gegen den Angriff der Pollen wappnen. Diese wird speziell bei Insektengift-, Pollen-, und Hausstaubmilbenallergie sowie allergischem Asthma eingesetzt. Voraussetzung dafür ist der rechtzeitige  Start – und zwar vor der Allergie-Hochsaison und außerhalb der Blütezeit. Denn es dürfen keine Beschwerden durch die Allergie vorliegen. Daher ist der späte Herbst, mehr noch der Winter, die ideale Zeit um eine Impfung in Erwägung zu ziehen – weil da  zumeist die wenigsten Symptome auftreten. 
 
Obwohl der Herbst nicht allergenfrei vorübergeht, ist die schlimmste Zeit mit dem Sommer bereits überstanden. Darum heißt es aufatmen, und weiterhin bestimmte Regeln zur Allergenvermeidung zu beachten. Hier folgen ein paar praktische Tipps für die kommenden Monate: Speziell für Ragweed-Allergiker, die jetzt am stärksten belastet sind, gilt: 1) Während der Blütezeit nachts nicht lüften, da die Pollen in der Nacht absinken und bei Ferntransport in hoher Konzentration belasten können. 2) Ausweichen im eigenen Land: Der Westen Österreichs ist eine sehr zu empfehlende Region. 3) Spaziergänge auf Bachflächen und befallenen Feldern meiden. 4) Lernen Sie Ragweed-Zonen zu erkennen und meiden Sie die entsprechenden Stellen. Hilfe zur Erkennung bietet www.ragweedfinder.at. 5) Ragweed- und Beifuß-Allergiker können in die Höhe ausweichen. Ab 1.200 Metern gibt es keine Belastung durch Beifußpollen, von Ragweed sind nur Einzelfunde über 1.500 Metern bekannt. 6) Ansonsten gelten die generellen Regeln wie das Tragen von Sonnenbrille und Kopfbedeckung im Freien. Mehr  Tipps & Infos unter: www.pollenwarndienst.at   
 
Pollenflug: Jahresübersicht
Dieses Jahresdiagramm des  Österreichischen Pollenwarndienstes bietet eine gute Übersicht, wann welche Pollen aktiv sind.  Mehr Infos,  aktuelle Belastung, Prognosen, Pollentagebuch, Pollen-App und  weitere Serviceleistungen finden Sie auf pollenwarndienst.at  
 
l Jänner:  Purpurerle, Hasel
l Februar: Erle, Hasel, Esche
l März: Erle, Hasel, Esche, Birke
l April: Erle, Platane, Esche, Birke,  Gräser, Pilzsporen
l Mai: Platane, Esche, Birke, Gräser,      Roggen, Pilzsporen
l Juni: Gräser, Roggen, Pilzsporen
l Juli: Beifuß, Gräser, Pilzsporen
l August: Beifuß, Ragweed
l September: Beifuß, Ragweed
l Oktober: Pilzsporen
l November: Pilzsporen
l Dezember: Purpurerle
 
l 2018: War und ist ein intensives ­Pollenjahr. Das bekamen die Allergiker bereits durch die starke Birke im Frühjahr zu spüren. Auch im Herbst kann es noch einmal zu stärkeren Allergie­schüben durch Ragweed kommen. 
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