Wieder fit nach dem Bänderriss

Schnelle Sportrückkehr

Wieder fit nach dem Bänderriss

Der Bänderriss im oberen Sprunggelenk – wie bei Fußballprofi Zlatko Junuzovic – ist eine der häufigsten Sportverletzungen.  Auch viele Freizeitsportler sind betroffen.

Junuzovic - Was ist passiert? 1/3
 Verletzung Im Auftaktmatch der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn bei der EURO 2016 war ­Zlatko Junuzovic nach einer harten Attacke überknöchelt. Der 28-Jährige  erlitt einen Teilriss des Außenbandes im rechten Knöchel.
Behandlung Erstmaßnahmen dienen der Abschwellung. Junuzovic bekam Eistherapie, Kompressionsverbände und spezielle Enzyme, um die Reak­tionen im Körper zu beschleunigen.
Training Nicht einmal eine Woche nach der Knöchelverletzung steht Junuzovic laut Angaben des ÖFB erstmals wieder am Trainingsplatz und absolviert ein lockeres Lauftraining. Wann er ein Match bestreiten kann, steht noch nicht fest.

Häufige Verletzung

Bei jedem Sport, bei dem gelaufen und gesprungen wird, besteht die große Gefahr, mit dem Knöchel umzuknicken. Viele Fußballer haben sich daher schon einmal einen Bänderriss oder zumindest eine Bänderdehnung im Sprunggelenk zugezogen. So auch Österreichs Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic. Beim Auftaktmatch der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn bei der EURO 2016 war der 28-Jährige überknöchelt und erlitt einen Teilriss des Außenbandes im rechten Knöchel. Eine Woche nach dem Unfall geht es dem Profi-Sportler überraschend gut und er konnte das Lauftraining wieder aufnehmen. Wir haben uns bei einem Experten erkundigt, wie nicht nur Profi-, sondern auch Freizeitsportler nach einem Bänderriss  schnell wieder fit werden. 

Wichtige Infos zur Bänderverletzung im Sprunggelenk 1/3
Bänder im Sprunggelenk Aufbau Das Sprunggelenk ist das Verbindungsgelenk zwischen dem Unterschenkel und dem Fuß. Man unterscheidet zwischen dem oberen Sprunggelenk und dem unteren Sprunggelenk. Das obere Sprunggelenk wird von den unteren Enden des Schienbeins und des Wadenbeins sowie vom Sprungbein gebildet. Das obere Sprunggelenk wird an der Außenseite durch drei einzelne Bänder, an der Innenseite durch ein fächerförmiges Innenband stabilisiert. Zusätzlich verfügt das obere Sprunggelenk noch über eine starke Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein – das sogenannte Syndesmoseband.
Verletzungsarten Unfall  Bänderverletzungen des oberen Sprunggelenks , vor allem eines Außenbandes,  gehören zu den häufigsten Verletzungen bei Fußballern. Sie treten als Zerrung, Teil- oder als kompletter Abriss auf. Meist  entsteht ein Bänderriss durch Umknöcheln während des Laufens. Man unterscheidet Ein-, Zwei-, Dreibandverletzungen, je nachdem, wie viele Außenbänder verletzt sind. Bei einem Bänderriss treten sofort sehr starke Schmerzen und eine Schwellung auf, der Fuß kann nicht mehr belastet werden. Charakteristisch für einen Riss ist die Instabilität.
Behandlung Maßnahmen Wird ein Bänderriss nicht ­behandelt und heilt das zerrissene Band schlecht aus, kann das Gelenk instabil bleiben. Erster Schritt: abschwellende Maßnahmen, kühlen, Krücken, hochlagern.
Einbandverletzung: meist konservative Therapie. Im Gegensatz zu früher kein Gips! Der Patient trägt eine Bandage oder abnehmbare Schiene für 4 Wochen bei Teilriss und 6 Wochen bei komplettem Riss. Sofort Belastung bis zur Schmerzgrenze möglich und es erfolgen Bewegungsübungen sowie abschwellende Maßnahmen.
Zwei- oder Dreibandverletzungen: Wird nicht operiert, ist für 6 Wochen ein starrer Verband (Gips oder Aircast Walker, Stiefel) nötig. Bei Profi- oder Leistungssportlern sollte operiert werden. Die Bänder werden entweder direkt genäht oder an der Stelle, wo sie abgerissen sind, mit Knochenankern wieder befestigt. Nach der OP ist kein Gips notwendig, nur eine Bandage oder Orthese, Vollbelastung (außer bei Knorpelverletzungen) und Bewegungsübungen sind gleich möglich.
Innenbandverletzungen müssen meist operiert werden.
Sport:  Bei Teilriss oder Einbandverletzung nach 3–4 Wochen, bei OP nach 6–8
Wochen.

Wenn das Band reißt

Das obere Sprunggelenk verbindet Fuß und Unterschenkel miteinander. Mehrere Bänder stabilisieren dieses Gelenk. Das aus drei Teilen bestehende Außenband, ein Innenband und das sogenannte Syndesmoseband. Bei einer Bandverletzung am Knöchel ist am häufigsten das Außenband betroffen. Es kann überdehnt oder gezerrt sein oder im Extremfall reißen. Der klassische Verletzungsmechanismus ist das Umknicken des Fußes. „Es treten sofort sehr starke Schmerzen auf, der Knöchel schwillt an und kann nicht mehr belastet werden. Charakteristisch ist auch die Instabilität“, beschreibt Doz. Dr. Pa­trick Weninger, Facharzt für Unfallchirurgie, die Symptome eines Bänderrisses.

Dr. Patrick Weninger im Talk 1/5

Wie wird ein Bänderriss behandelt?

Doz. Dr. Patrick Weninger: Das hängt von der Verletzungsart ab. Immer gilt: abschwellende Maßnahmen, kühlen, Krücken, hochlagern. Bei einer Bänderverletzung unterscheidet man zwischen Ein-, Zwei- oder Dreibandverletzungen, je nachdem, wie viele der Außenbänder verletzt sind. Bei einer Einbandverletzung wird meist konservativ behandelt. Gips ist heute nicht mehr gerechtfertigt! Für 4 (bei Teilriss) bis 6 Wochen wird eine Bandage oder abnehmbare Schiene getragen. Patienten dürfen sofort bis zur Schmerzgrenze belasten und können gleich mit Bewegungsübungen beginnen.

In welchen Fällen muss operiert werden?

Dr. Weninger: Bei Zwei- oder Dreibandverletzungen der Außenbänder sollte beim Profi- oder Leistungssportler operiert werden. Sonst entsteht eine chronische Instabilität, außerdem kann der Spieler dann schneller wieder spielen. Innenbandverletzungen müssen meist operiert werden.

Wie ist der Ablauf der Operation?

Dr. Weninger: Die Bänder werden entweder direkt genäht oder an der Stelle, wo sie abgerissen sind, mit Knochenankern wieder befestigt. Der Eingriff ist ambulant, tagesklinisch möglich. Innovativ ist die arthroskopische Bandrekonstruktion. Vorteil: kleine Schnitte, schonende Behandlung, geringstes Risiko. Selbstauflösende Knochenanker sind auch sehr innovativ. Dadurch ist keine Zweit-OP zur Entfernung erforderlich. Bei Syndesmoserissen sind heute keine Metall-Schrauben mehr erforderlich, sondern resorbierbare Fäden und Stifte. Dadurch ist auch hier ist kein Zweiteingriff mehr nötig.  

Wie geht es nach der OP weiter?

Dr. Weninger: Auch nach der Operation ist kein Gips notwendig! Es genügt eine Bandage oder eine Orthese. Patienten dürfen voll belasten – außer bei begleitender Knorpelverletzung – und gleich mit Bewegungsübungen beginnen. Nach 10 Tagen werden die Nähte entfernt.

Wann ist Sport möglich?

Dr. Weninger: Bei Einbandverletzungen nach 3–4 Wochen, nach OP nach 6–8 Wochen.

Konservative Behandlung  

Die Art der Behandlung richtet sich danach, wie viele Bänder  verletzt sind. Während Bänderrisse am oberen Sprunggelenk vor einigen Jahren noch häufig operativ versorgt wurden, hat sich dies geändert. Ist nur ein Außenband gerissen, reicht eine konservative Therapie. Standard ist die sogenannte frühfunktionelle Behandlung mit einer Schiene (Orthese) am Knöchel, die bei einem Teilriss vier und bei einem kompletten Riss sechs Wochen lang getragen wird. „Ein Gips ist heute nicht mehr gerechtfertigt. Der starre Verband führt zu massiven Bewegungseinschränkungen, Muskelschwund, erhöht das Thromboserisiko und das Stellungsgefühl im Raum geht verloren“, so der Experte.  Stattdessen dürfen die Patienten sofort bis zur Schmerzgrenze belasten und mit Bewegungsübungen beginnen.

Der Knöchel

Der Knöchel © Getty Images

1 Schienbein
2 Wadenbein
3 Syndesmoseband
4 Drei Außenbänder

 

Manchmal ist OP nötig  

„Sind zwei oder drei Bänder gerissen“, so der Chirurg, „sollte beim Profi- oder Leistungssportler operiert werden. Sonst entsteht eine chronische Instabilität, außerdem ist eine schnellere Rückkehr zum Sport möglich. Bei einem Freizeitsportler muss nicht unbedingt operiert werden, aber es ist dann für 6 Wochen ein starrer Verband nötig.“ Bei der Operation werden die Bänder entweder direkt genäht oder an der Stelle, wo sie abgerissen sind, mit Knochenankern wieder fixiert. „Arthroskopische Bandrekonstruktion mit kleinen Schnitten ist schonender und reduziert das Risiko. Selbstauflösende Knochenanker oder resorbierbare Fäden und Stifte machen eine Zweitoperation zur Entfernung unnötig“, erklärt Dr. Weninger.  

Schnelle Sportrückkehr

Moderne Behandlungsmethoden können die Heilungsphase massiv verkürzen und eine schnellere Sportrückkehr ermöglichen. Die Stoßwellen-Therapie beispielsweise fördert die Regeneration,  erhöht die körpereigene Stammzellenproduktion, verbessert die Durchblutung der Bänder,  wodurch diese besser heilen und schneller wieder zusammenwachsen. Auch Eigenblutbehandlungen sorgen für schnellere Heilung. „Diese werden praktisch bei jedem Sportler der NBA oder NFL in den USA gemacht und sind auch bei Fußballverletzungen sehr beliebt“, erklärt Dr. Weninger. Abgenommenes Blut wird zentrifugiert und so plättchenreiches Plasma (PRP) gewonnen. Dieses enthält Faktoren der Blutplättchen, die die Bänder schneller wieder zusammenwachsen lassen.

Experten für den Eingriff
Dr. Peter Bock:
Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie
1030 Wien, Am Heumarkt 3/16
Tel.: 0664 /555 08 93

Ao. Univ.-Prof. Dr.
Christian Gäbler:
Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie
1090 Wien, Alser Straße 28
Tel.: 0 1/402 1000
www.sportordination.com

Prim. Univ.-Doz. Dr.
Thomas Müllner, PHD:
Facharzt für Unfallchirurgie, Orthopädie und orthopädische Chirurgie
1130 Wien, Kupelwiesergasse 15
Tel.: 0 1/877 94 44, www.knieweh.at

dr. Christof Pabinger:
Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie
8010 Graz, Plüddemanngasse 45
Tel.: 0316/908204-0, www.opz.at

MR Dr. Gunther
Steinböck:
Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie
1160 Wien, Liebhartsgasse 48/7
Tel.: 01/493 17 10, www.fussarzt.at

Univ.-Prof. Dr.
Hans-Jörg Trnka:
Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie
1080 Wien, Alser Straße 43/8
Tel.: 01/4085993
www.fusszentrum.at

Ao. Univ.-Prof. Dr.
Reinhard Weinstabl:
Facharzt für  Unfallchirurgie, Sporttraumatologie
1090 Wien, Pelikangasse 15
Tel.: 0 1/79 666 79
www.weinstabl.at

Doz. Dr. Patrick
Weninger:
Facharzt für Unfallchirurgie
1190 Wien, Krottenbachstraße 8/4
Tel.: 0699/172 42 838
www.dr-weninger.at
Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden
Jetzt Live
Diese Videos könnten Sie auch interessieren
Wiederholen
Jetzt NEU

oe24.TV im Livestream: 24 Stunden News!

Diese Website verwendet Cookies
Cookies dienen der Benutzerführung und der Webanalyse und helfen dabei, die Funktionalität der Website zu verbessern, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Impressum