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Faktencheck zu Argumenten für und gegen das Home Office

Faktencheck zu Argumenten für und gegen das Home Office

1. Beruf und Familie lassen sich besser vereinbaren

Dafür spricht, dass die Beschäftigten den Arbeitsort wählen und sich ihre Zeit flexibler einteilen können und dass der Weg zum und vom Job entfällt. Erfahrene Heimarbeiter aber wissen: Wirklich gut lässt sich beides nicht immer unter einen Hut bringen. Ein kleines Kind zu Hause betreuen und nebenbei Telefonkonferenzen mit dem Chef absolvieren kann ein ebenso schwieriger Spagat sein wie das Beantworten dienstlicher Mails auf dem eiligen Weg in den Kindergarten. "Man ist im Zweifel im doppelten Stress", sagt Oliver Suchy, Leiter des Projektes "Arbeit der Zukunft" beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

2. Wer im Home Office arbeitet, arbeitet effizienter

Das kann stimmen - ist aber ein zweischneidiges Schwert. Kein Small Talk mit den Kollegen in der Teeküche, kein störendes Telefonklingeln im Großraumbüro - viele schätzen am Home Office das konzentrierte und effiziente Arbeiten. Wenn ein Projekt schnell vorangehen muss, kann das ein Vorteil sein. Schön, wenn dann auch noch die Waschmaschine nebenher laufen und die Mittagspause für einen kurzen Einkauf genutzt werden kann. Solche privaten Erledigungen können allerdings auch von der Arbeit ablenken - und nicht jeder Beschäftigte geht verantwortungsbewusst mit der längeren Leine um. Umgekehrt braucht es eine gewisse Selbstdisziplin, damit vor lauter Effizienz etwa Pausenzeiten nicht zu kurz kommen.

3. Arbeit und Privatleben verschwimmen zusehends

Das gilt als Kernproblem der neuen Arbeitswelt - vor allem dort, wo es keine Regeln für das mobile Arbeiten gibt. Erst kürzlich ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur etwa, dass fast jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland nach Feierabend seine beruflichen E-Mails checkt. Einige Unternehmen wie Volkswagen oder BMW räumen ihren Mitarbeitern zwar ein Recht auf Nichterreichbarkeit ein. Doch allgemein herrsche eher Wildwuchs, meint DGB-Experte Suchy.

4. Wer im Home Office arbeitet, arbeitet mehr

Ein Indiz dafür ist der große Berg an unbezahlten Überstunden - fast eine Milliarde waren es laut dem deutschen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) jeweils in den vergangenen beiden Jahren. Dahinter stecke nicht nur der Druck, den sich manche Beschäftigte selbst machen, sondern oft auch zu hoch gesteckte Ziele, sagt Suchy. Für ihn ist klar: "Arbeit muss erfasst und vergütet werden."

Die deutschen Gewerkschafter pochen deshalb auf einen Ordnungsrahmen für die neue Arbeitswelt - und die Arbeitgeber im Gegenzug auf mehr Flexibilität. Statt einer täglichen wollen sie auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umstellen und mehr Öffnungsklauseln erreichen. "Dies unterstützt betriebliche Abläufe und ermöglicht Beschäftigten eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben", sagt ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

5. Immer auf Abruf zu sein, macht krank

Dafür spricht eine kürzlich veröffentlichte Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga). Selbst wer sich aus freien Stücken dafür entscheidet, auch außerhalb der eigentlichen Arbeitszeiten erreichbar zu sein, erholt sich demnach tendenziell schlechter, leidet häufiger unter Schlafstörungen und kann im wahrsten Sinne des Wortes schlechter abschalten.

6. Die Bindung zum Unternehmen kann verloren gehen

Das sehen vor allem die Arbeitgeber als potenzielles Problem. Gerade für das Arbeiten im Team, für die Mitarbeiterführung und für die Unternehmenskultur insgesamt sei das Home Office eine Herausforderung, sagt der BDA-Sprecher. Siemens beispielsweise sorgt dafür, dass selbst Beschäftigte mit Telearbeitsplätzen höchstens 80 Prozent ihrer wöchentlichen Arbeitszeit von zu Hause aus absolvieren - aber nicht aus Misstrauen, sondern um einen guten Austausch zwischen den Kollegen zu gewährleisten, wie es vom Unternehmen heißt.

Anders ist das bei Microsoft: Die Mitarbeiter treffen je nach Projekt-Erfordernissen im Team zusammen, feste Präsenzpflichten gibt es nicht. Die Führungskräfte sind dafür verantwortlich, dass das Miteinander der Kollegen dabei nicht zu kurz kommt, wie eine Microsoft-Sprecherin sagt. Ein passendes Umfeld für Arbeit und Begegnung sollen die Mitarbeiter mit der neuen Deutschland-Zentrale in München bekommen, die am 11. Oktober offiziell eröffnet wird.