Essen ohne Reue

Die Trendwende

Essen ohne Reue

Mitten im Diät-Dschungel raten immer mehr Ernährungsprofis: Entspannen Sie sich! Gesund essen ist viel leichter als gedacht.

Butter ist ein No-Go, Zucker ein Killer und Kohlenhydrate sind ohnehin böse: Immer mehr – vielfach selbst ernannte – Gesundheitsgurus warnen uns vor bestimmten Lebensmitteln. Und prophezeien schlimmste Folgen, wenn wir uns weiter unsere Lieblingsspeisen gönnen. Dazu überschwemmen Diätratgeber den Markt, die immer neue Nahrungsmittel auf die schwarze Liste setzen. Das Rätseln um Sinn und Unsinn des Dinner Cancelling, glutenhaltige Nudeln und das Marmeladesemmerl ist nicht nur Partygesprächsstoff, sondern auch Teil unseres Persönlichkeitsprofils. Immer mehr Menschen erheben ihre Ernährung zur Ersatzreligion.

Schluss mit Selbstgeißelung
Doch nach jahrelanger Selbstgeißelung und Verunsicherung macht sich nun ein neuer Trend breit. Und der lautet: Entspannt euch! Denn entgegen der weitverbreiteten Meinung funktioniert gesundes Essen auch ohne permanent schlechtem Gewissen. Die Grundregel dabei: Es gibt keine Ernährung, die für alle Menschen richtig ist, die jedermann schlank und gesund macht. Essen ist so individuell wie der Rest der Lebensplanung. Radikale Konzepte, die auf ständigem Verzicht basieren, sind grundsätzlich mit Misstrauen zu betrachten. Und auch die Mär, dass Kohlenhydrate, Zucker oder Fett universell böse sind, ist von vorgestern. Denn Tatsache ist, dass bis heute keiner genau weiß, wie viel davon für einen gesunden Menschen tatsächlich schlecht ist.

Abnehmen, aber richtig
Viel wichtiger als (sinnlose) Prozentangaben, wie viel Fett & Co. denn nun genau auf dem Teller landen dürfen, ist es, seinen Ernährungsplan insgesamt vielseitig und nicht zu kalorienreich zu gestalten. Denn Tatsache ist: Jeder Zweite ist zu dick. Und zu viel Speck auf den Rippen ist nicht nur vor dem Spiegel ärgerlich, sondern erhöht bekanntermaßen auch Krebs- und Diabetesrisiko, fördert Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gelenkprobleme.

Radikale Diäten sind dennoch ein schlechtes Mittel, um die Übergewichtsepidemie einzubremsen, warnen Experten. Nicht nur tritt meist der berüchtigte Jo-Jo-Effekt auf, Ernährung wird mittlerweile als Problem des gesamten Lebensstils betrachtet. Entscheidend ist nicht nur, was auf dem Teller landet, sondern auch, wie viel Stress Mann oder Frau hat, wie es um die Fitness und Darmgesundheit steht, die Jobsituation – und das Beziehungsleben. Denn wer liiert ist, bringt, so Studien, tendenziell mehr Kilos auf die Waage als Singles.

Frisch kaufen, selbst kochen

Doch wie funktioniert das nun in der Praxis, das gesunde Essen, bei dem man auch noch schlank bleibt? Als Faustregel gilt: Halten wir es doch wie unsere Großmütter. Was die früher als gut erachteten, ist fast immer besser als verpackte Fertigkost, Stichwort Transfette (siehe Kasten links). Kaufen Sie frische Lebensmittel, am besten bio – und schwingen Sie wieder selbst den Kochlöffel. Das dauert kaum länger als eine Fertigpizza, macht aber gesünder und zufriedener. Und besser schmeckt es obendrein. Sollten Sie der Spezies der Kochmuffel angehören: Tun Sie sich mit Freunden zusammen. Gemeinsam kochen macht mehr Spaß!

Mediterran: Essen wie im Urlaub
Als ideal gilt heute allgemein die mediterrane Ernährung: Viel Gemüse und Olivenöl, dazu Obst, Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Nüsse, wenig rotes Fleisch. Statt zu frittieren wird gedünstet oder kurz angebraten. Die Mittelmeerküche ist gut für Herz und Hirn und unterstützt wegen des hohen Grünzeuganteils auch den Abnehmprozess.

Dazu gilt: Schaffen Sie sich ein gesundes Umfeld. Was wir essen, entscheiden wir in den allermeisten Fällen nicht bewusst, sondern danach, was wir gerade vor der Nase haben. Ersetzen Sie im Büro den Keksvorrat durch Gemüse-Sticks, daheim die Chips durch Obst. Und wenn die Lust auf Schokolade und einen großen Berg Pasta doch mal überhandnimmt, ist das auch kein Beinbruch. Von ein paar Sünden ist noch niemand gestorben. 

Darauf kommt es wirklich an 1/6
Energiedichte
Essen Sie sich mit Lebensmitteln satt, die im Vergleich zum Volumen wenig Kalorien haben. So werden Sie satt, aber nicht dick. Das gelingt mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, magerem Fleisch und Fisch.