Ganslzeit: So schützen Sie Magen und Darm

Deftiger Herbst

Ganslzeit: So schützen Sie Magen und Darm

Wenn die Temperaturen wieder in den Keller sacken, verhilft uns eine deftige Mahlzeit zu mehr Wärme und Wohlbefinden. Was uns einerseits glücklich macht, schlägt uns jedoch andererseits auf den Magen: Stark fett- oder eiweißhaltige Nahrung belastet nämlich die Verdauung und das resultiert in Magendrücken, Völlegefühl und Darmproblemen. Wie man Beschwerden vorbeugt, hat uns Dr. Friedrich Weiser, Facharzt für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie von der Gruppenpraxis Medico Chirurgium, erklärt.

So arbeiten Magen und Darm 
Nachdem wir unsere liebste Speise genossen haben, geht die Arbeit für den Verdauungstrakt los. Durch die Speiseröhre gelangt die zerkleinerte Nahrung in den Magen, wo sie durch wellenförmige (peristaltische) Bewegungen mit dem Magensaft vermengt wird. Dieser Magensaft wird von den Drüsen der Magenschleimhaut hergestellt und besteht zu einem großen Teil aus Pepsinogenen, eine Vorstufe des eiweißspaltenden Enzyms Pepsin. Des Weiteren wird auch Muzin hergestellt, ein Schleim, der den Magen davor schützt, sich selbst zu verdauen. Nach ein bis sechs Stunden (je nach Fettgehalt) wandert dann der Speisebrei in den Dünndarm, wo die Nahrung weiter vermischt und durch Enzyme aufgespalten wird. Hier findet auch der Hauptteil der Fettverdauung statt und die durchschnittliche Verweildauer beträgt sieben bis neun Stunden. Der Dickdarm nimmt sich danach der Zersetzung von schwer verdaulichen Pflanzenstoffen an – das kann bis zu 30 Stunden dauern. Zu guter Letzt erfolgt die Ausscheidung über den Enddarm. 
 
Deftiges Essen – Herausforderung für die Verdauung
Bei einer ausgewogenen, vitamin- und ballaststoffreichen Ernährung funktioniert unser Magen-Darm-Trakt wie ein Uhrwerk. Oftmals kann aber der Vorgang des Verdauens durch eine zu fettreiche Nahrung gestört werden, wodurch verschiedenste Beschwerden auftreten. Dr. Friedrich Weiser kennt sie: „Nach dem Genuss von deftigen Gerichten – häufig spätabends – klagen die Patienten über Symptome wie Magenschmerzen, saures Aufstoßen, Völlegefühl, Bauchweh und/oder Durchfall. Das deutet in den meisten Fällen auf Refluxerkrankungen, Gastritis oder eine Divertikulitis hin.“ Beim Reflux bzw. Sodbrennen gelangt der saure Magensaft durch eine Funktionsstörung des Ringmuskels zwischen Magen und Speiseröhre zurück in die Speiseröhre. Oberbauchschmerzen, Schluckstörungen und ein Brennen im Rachen sind typisch dafür. Bei der Gastritis handelt es sich um eine Entzündung der Magenschleimhaut, bei der Symptome wie Magenschmerzen, Völlegefühl und Übelkeit auftreten können. Bei der Divertikulitis sind die Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut entzündet und es entstehen Schmerzen im Unterbauch, Blähungen und Fieber.
 
Prävention und Akuthilfe
Dr. Weißer rät deshalb – wenn eine Feierlichkeit o. Ä. ansteht – dass zwischen der letzten Speise und dem Schlafengehen zumindest ein bis zwei Stunden vergehen sollten. Auch auf Alkohol sollte zu später Stunde verzichtet werden. Um eine Divertikelerkrankung vorzubeugen, sind das Trinken von ausreichend Flüssigkeit (mind. zwei Liter am Tag), Sport und Bewegung sowie eine Gewichtsreduktion sinnvoll. Und: Stress ist für Magen als auch Darm wahres Gift – reduzieren Sie deshalb den Stresspegel, unsere Tipps ab Seite 18 helfen!
 
Treten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt akut auf, kann Folgendes Linderung verschaffen: Plagen einen Magenschmerzen oder Durchfall, sollte man auf Schonkost zurückgreifen. Gedünstetes Gemüse, klare Gemüsesuppen oder Porridge helfen der Verdauung bei der Arbeit und schonen Magen und Darm. Bei Gastritis können Protonenpumpenhemmer helfen, sie verringern nämlich die Säurebildung im Magen. Dadurch ist die Magenflüssigkeit weniger sauer und Reizungen der Magenschleimhaut können besser abheilen. Bei einer Divertikelerkrankung ohne akute Entzündung ist eine ballaststoffreiche Kost sowie der Verzicht auf fettreiche Mahlzeiten zielführend. Bei einer Divertikelerkrankung mit einer Entzündung (hohes Fieber!) sollten man rasch einen Arzt aufsuchen, der dann mit einem Antibiotikum entgegensteuert. Zusätzlich sollte in diesem Fall auf Ballaststoffe verzichtet werden. Auch durch den Genuss von Alkohol und Nikotin kann es sowohl bei Gastritis als auch anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu einer Verschlechterung kommen. 
 
Wunderwerk Verdauung 1/7
Der Verdauungstrakt wird auch als „Gehirn im Bauch“ bezeichnet. Was Magen und Darm alles können, erfahren Sie hier:
Im Darm sitzen 70 Prozent aller Abwehrzellen, die das Immun­system steuern
Der Darm beherbergt 100 Millionen Nervenzellen und ist neben dem Gehirn die zweite Denk- und Schaltzentrale
Mit rund acht Metern ist der Darm das längste Organ im Körper
Die gesamte Fläche des Darms beträgt 300 Quadratmeter
Das (Glücks-)Hormon Serotonin wird von der Darmschleimhaut produziert und kommt zu fast 95 Prozent im Magen-Darm-Trakt vor
Die Darmflora steuert unter anderem auch das Gewicht
Das Bauchgefühl gibt es wirklich, hier werden nämlich Sinneseindrücke und Gedanken verarbeitet

Im Fall der Fälle zum Arzt
Halten Beschwerden wie Durchfall, Magenschmerzen und Bauchweh trotz medikamentöser Therapie aus der Apotheke (bei Durchfall nach drei Tagen, bei Reflux nach vierwöchiger Therapie mit Protonenpumpenhemmern) an, sollten Sie auf jeden Fall einen (Fach-)Arzt konsultieren. Dieser kann anhand einer Magen- bzw. Darmspiegelung den Symptomen auf den Grund gehen. 
 
Wer sich generell ausgewogen ernährt, Stress reduziert, sich ausreichend bewegt und ersten Symptomen achtsam begegnet, kann das ein oder andere Gansl guten Gewissens genießen. 
 
Dr. Friedrich Weiser über Beschwerden bei der Verdauung
Was sind die häufigsten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt in Bezug auf deftiges Essen? 
Dr. Friedrich Weiser: Die häufigsten Beschwerden sind Reflux, Gastritis und Divertikulitis (Entzündung von Schleimhautausstülpungen der Dickdarmschleimhaut). Physiologischerweise findet die höchste Säureproduktion zwischen zwei und vier Uhr in der Früh statt. Üppige Spätmahlzeiten und rasches Zubettgehen bewirken, dass Salzsäure aus dem Magen in die Speiseröhre und über Mikroaspirationen auch in die Lunge gelangen und massive ­Probleme verursachen kann. 
 
Wie beugt man genannten Beschwerden vor? 
Dr. Weiser: Bei Reflux sollte man üppige Mahlzeiten zu später Stunde vermeiden – zwischen Nachtmahl und Schlafengehen mindestens ein bis zwei Stunden Abstand einhalten. Auch Alkohol und Stress ist Gift bei Reflux, Durchfall und Gastritis. Um einer Divertikelerkrankung ohne Entzündung entgegenzusteuern, helfen ballaststoffreiche Kost, viel Flüssigkeit sowie der Verzicht auf fettreiche Mahlzeiten. Mit einer Entzündung sollte man jedoch auf Ballaststoffe verzichten, ebenfalls viel trinken und breiige Nahrung verzehren.
 
Ab wann sollte man zum Facharzt?
Dr. Weiser: Sollten Refluxbeschwerden nach einer vierwöchigen Therapie mit Protonenpumpenhemmern vom Hausarzt weiter bestehen, sollte man unbedingt eine Magenspiegelung durchführen lassen. Bei Schmerzen im linken Unterbauch begleitet von Fieber sollte man rasch ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen – das deutet nämlich auf Entzündungen der Divertikel hin. Die Gabe eines speziell im Darm wirksamen Antibiotikums ist dabei essenziell. Bei Durchfall, der trotz medikamentöser Therapie aus der Apotheke nicht innerhalb von drei Tagen abheilt, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. 
 
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