High Heels

Hohe Belastung

Gesunde Füße trotz High Heels

Den perfekten Auftritt lernen

Louboutin, Sergio Rossi und Jimmy Choo heißen die derzeitig trendigsten Schuhe, die uns auf einen Schlag bis zu 12 Zentimeter (oft ohne Plateau!) größer machen. Metatarsalgie, Morton-Neurom, Spreizfuß und Hallux valgus (Hammer- und Ballenzehen) heißen die Mode-Krankheiten, die unseren geliebten It-Pieces sozusagen im Laufschritt folgen. Wie Sie den oft sehr schmerzhaften und optisch unschönen Fußbeschwerden vorbeugen können, wie die Fußspezialisten helfen können und was nach einem harten Tag in hohen Hacken wirklich Linderung verschafft, verrät Podoätiologe Fatmir Langmeier.

Fatmir Langmeier im Interview 1/5

Was machen High Heels mit unseren Füßen?

Fatmir Langmeier: Durch die Erhöhung der Ferse und die spitze Fußstellung im Schuh kommt es zu einer Überlastung des Vorderfußes. Beschwerden treten auf. Zudem verkürzt sich die Waden- und Oberschenkelmuskulatur. Es kommt zu stärkerer Überlastung und Fehlbelastung. Die Folgen: ein Spreizfuß, Hammerzehen, starke Schmerzen, Taubheit in den Zehen – sogar Rücken-, Hüft- und Knieprobleme können auftreten.


Ursachen
Podoätiologie ist ein Denkansatz aus der Osteopathie, der den Körper als funktionelle Einheit betrachtet und die Ätiologie (= Ursache) der Beschwerdesymptomatik aufzudecken versucht. Was die weibliche Fußgesundheit betrifft, steht und fällt alles sozusagen mit der Ferse, verrät der Experte: „Wenn der Fuß flach steht, geht die Kraft überwiegend durch die Ferse nach unten zum Boden. Wenn die Ferse jedoch erhöht wird, verlagert sich diese Kraftlinie auf den Vorfuß. Der Vorfuß wird im Quergewölbebereich massiv überlastet. Erschwerend kommt hinzu, dass der Fuß in High Heels in einer Spitzfußstellung steht – dadurch wird die Fußzwischenmuskulatur lahmgelegt. Das Gewölbe drückt sich durch, die Zehen drücken sich weg, was zu einem Spreizfuß bis hin zu einer Metatarsalgie führt.“ Als Metatarsalgie werden schmerzhafte Stellen an den Gelenken bezeichnet, die durch  Überlastung entstehen. „Diese Beschwerden“, so Langmeier, „können sich – wird nicht rechtzeitig etwas unternommen – zu einem Morton-Neurom ausweiten. Dabei wurden die Gelenke durch die dauerhafte Überlastung des Gewölbes so stark gedrückt, dass die zwischen den Gelenken befindlichen Nerven, die bis in die Zehenglieder gehen, sich entzünden. Der Vorfuß wird regelrecht taub. Starke, stechende Schmerzen beim Gehen sind die Folge.“ Zudem warnt der Experte, dass sich bei High-Heels-Liebhaberinnen die Becken-Bein-Muskulatur stark verkürzt. Die Verkürzung führt zu einer Überlastung der unteren Fußmuskelsehnenplatte und schließlich zur Plantarfasziitis (unangenehme Entzündung der Sehnenplatte der Fußsohle am Fersenbein). Durch Fehlbelastungen kann es schließlich zu Rücken-, Hüft- und Kniebeschwerden kommen.

Die besten Tipps vom Fuß-Experten 1/10
1. Richtig gehen
Den Fußballen beim Gehen so gut es geht entlasten, indem die Ferse zuerst aufgesetzt und dann langsam abgerollt wird. Alltagsbewegung (ein bis zwei Stunden pro Tag) in gut gedämpften flachen Schuhen in den Alltag integrieren.


Vorbeugung
Einfache Tipps und Tricks können helfen, die Füße langfristig gesund zu halten. Als Faustregel gilt: Absätze bis zu vier Zentimeter sind okay für die Gesundheit. Und: Wer alle vier Stunden sein Schuhwerk von hoch auf niedrig wechselt, wird schmerzfrei durchs Leben gehen. „In manchen Berufen“, so Langmeier, „ist ein Wechsel jedoch oft nicht möglich. In solchen Fällen rate ich, unter dem Schreibtisch regelmäßige Fußmassagen mithilfe von Golfbälle sowie Dehnübungen der Wadenmuskulatur durchzuführen. Diese verhindern auch, dass durch die Inaktivität der Muskulatur die Beine anschwellen. Zudem gibt es spezielle, maßgefertigte, orthopädische Einlagen, die auch für hohe Schuhe geeignet sind. Sie entlasten den Fuß und stabilisieren ihn, damit er sich nicht zu stark nach vorne schiebt.“

Warnsignale
Bei anfänglichen Schmerzen im Vorderfuß und leichter Taubheit sollte sofort ein Spezialist konsultiert werden. Denn: Wenn die Füße bereits lädiert sind, kann auch das Gehen in flachen Schuhen respektive das Barfußgehen das Krankheitsbild weiter verschlechtern. Abschwellende medikamentöse Behandlung, funktionelle Massagen und eine orthopädietechnische Versorgung – z. B. in Form von Einlagen – bringen unsere Vorderfüße dann auch rasch wieder auf Vordermann. 

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