Sie fragen - wir antworten: Chronisch lymphatische Leukämie

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Sie fragen - wir antworten: Chronisch lymphatische Leukämie

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Frage: Vor einigen Jahren bekam ich (72) eine chronisch lymphatische Leukämie diagnostiziert. Diese muss jetzt behandelt werden. Mein Onkologe fragte, ob ich eine zeitlich begrenzte Therapie möchte. Wie kann ich mir das vorstellen?

Antwort: Die CLL ist die häufigste Leukämieform und betrifft v. a. ältere Menschen. Sie schreitet oft nur langsam voran. In einem solchen Fall wird die Krankheitsentwicklung genau beobachtet, aber mit der Behandlung noch zugewartet ("watch and wait"). Sobald eine medikamentöse Behandlung notwendig wird, bespricht Ihr Onkologe oder Ihre Onkologin mit Ihnen die für Sie am besten geeignete Therapie. Bei einer chemotherapiefreien, zeitlich begrenzten Therapie der CLL werden Betroffene individuell auf die Therapie eingestellt und im Rahmen der Behandlung die leukämischen Zellen zielgerichtet abgetötet. In der Folge sind für die Dauer der Therapie, also ein Jahr lang, jeden Tag Tabletten zu nehmen. Dies kann als reine Tablettentherapie erfolgen oder in Kombination mit Antikörper-Infusionen. Danach gilt die Therapie als abgeschlossen und viele Patientinnen und Patienten können die nächsten Jahre komplett therapiefrei bleiben. Ein Großteil erreicht sogar den Status der "MRD-negativität" - das ist der englische Ausdruck für "keine messbare Resterkrankung" und bedeutet, dass keine CLL-Zelle mehr im Blut nachweisbar ist. Das bringt den Patientinnen und Patienten Therapiefreiheit und eine geringere Wahrscheinlichkeit , dass eine Behandlung wieder notwendig wird.

OA Priv. DOZ. Dr. Josef Singer, PhD
Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie; www.krems.lknoe.at 

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