Mythen und Fakten zum Kaiserschnitt

Mode-Geburt?

Mythen und Fakten zum Kaiserschnitt

In einer Studie mit insgesamt 1.829 Wiener Müttern, die nach der Geburt befragt wurden, stellte die Stadt Wien folgendes fest: „Es liegt nicht an Alter, Zusatzversicherung oder Bildungsstand“, resümierte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely. Die meisten würden sich deshalb für einen Kaiserschnitt entscheiden, weil sie Angst vor einer natürlichen Geburt hätten. Viele Mütter glaubten demnach, eine vaginale Geburt nicht zu überstehen.

Risiken durch Kaiserschnitt
Viele Wunsch-Kaiserschnitt-Kandidatinnen nehmen den Eingriff auf die leichte Schulter. Es handelt sich dabei aber um einen schweren medizinischen Eingriff, der viele Risiken birgt. Auch wird unterschätzt, welche Folgen eben dieser für Mutter und Kind hat und haben kann. Die Genesungsphase nach dem Eingriff dauert mehrere Wochen und geht meist nur schmerzhaft vorüber. Viele Mütter können nach der „unnatürlichen“ Geburt keine Milch produzieren oder vermissen die ersten Bindungsgefühle zum Kind. Auch die folgende Fruchtbarkeit kann nach einem Kaiserschnitt beeinträchtigt sein. Für das Kind wiederum ist das In-die-Welt-Kommen per OP ein gewisser "Schock" ohne die sonst natürliche Vorbereitung – sie haben auch ein deutlich erhöhtes Allergie- und Asthmarisiko.

Viele Mythen ranken sich um Gründe für und Auswirkungen eines Kaiserschnitts. Wir sind den am öftesten gehörten für Sie auf den Grund gegangen:

Kaiserschnitt im Mythen-Check 1/4

Mythos 1: Schock für das Kind

Antwort: Da ein Kaiserschnitt meist vor dem errechneten Geburtstermin angesetzt wird, kann es beim Kind zu Anpassungsstörungen an das Leben außerhalb des Körpers der Mutter kommen. Anders als bei einer herkömmlichen Geburt wird das Fruchtwasser beim Kaiserschnitt nicht aus den Lungen gepresst - die Geburt erfolgt plötzlich. Es kann also zu Atemproblemen kommen, wenn das Fruchtwasser nicht ganz aus den Lungen gepresst wurde.Zumeist wird das Neugeborene nach der Geburt für die Zeit, in der die Operation beendet wird, von der Mutter getrennt und kann erst später als bei einer natürlichen ­Geburt angelegt werden. Dieser Umstand kann zu einer verminderten Milchbildung führen.

Mythos 2: "Erhalte deinen Liebeskanal"

"Erhalte deinen Liebeskanal und lass gleich einen Kaiserschnitt machen" - mit diesem Slogan werben amerikanische Ärzte bei Schwangeren für eine Kaiserschnitt-Geburt.Immer mehr Frauen folgen dem Trend, weil sie fürchten, dass eine natürliche Geburt ihre Scheide „ausleiert“. So leiden viele Frauen nach einer normalen Geburt unter Inkontinenz, andere erleben den Sex nach einer Geburt nicht mehr so intensiv. Allerdings gibt es hierzu keine Studien: Wie sich das Gewebe und die Scheidenmuskulatur nach der Geburt zurückbildet, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Manche sprechen von besserem Sex nach der Schwangerschaft, andere hingegen berichten von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Mit Beckenbodentraining kann man solchen Beschwerden entgegenwirken und die Scheidenmuskulatur wieder in die alte Form bringen. 

Mythos 3: Kaiserschnitt schadet der Mutter-Kind-Bindung

Studien zeigen, dass sich nach dem Kaiserschnitt weniger Oxytocin - ein Hormon, welches das Bindungsverhalten zwischen Kind und Mutter fördern soll - im Blut befindet. Nachdem das Kind aus der Gebärmutter geholt wird, werden Baby und Mutter getrennt versorgt: Sie lernen einander erst später kennen, die ersten wichtigen Glücksmomente nach der Geburt  fehlen.Auch das Risiko, nach der Geburt an einer Wochenbettdepression zu erkranken, soll nach einer Kaiserschnittentbindung höher sein.

Mythos 4: Höheres Diabetes-Risiko für das Kind

Per Kaiserschnitt entbundene Kinder haben laut einer Studie ein mehr als doppelt so hohes Diabetes-Risiko wie Kinder, die auf natürliche Art zur Welt gekommen sind. Zu diesem Schluss kommen deutsche Forscher in einer  Langzeitstudie.

Die Wissenschafter der Technischen Universität München hatten den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entwicklung der Erkrankung bei 1.650 Kindern aus Risikofamilien untersucht. Die Studienteilnehmer wurden von Geburt an durchschnittlich elf Jahre lang beobachtet.

Laut der Studie haben Kinder, deren Mutter oder Vater an Typ 1 Diabetes erkrankt ist und die per Kaiserschnitt geboren wurden, ein Risiko von 4,8 Prozent, bis zum zwölften Lebensjahr an Diabetes zu erkranken. Dagegen liegt das Risiko von Kindern mit familiärer Vorbelastung, die vaginal entbunden wurden, bei 2,2 Prozent.

Weltweiter Trend
Früher wurden Kaiserschnitte nur im Fall von Mehrlings- oder riskanten Geburten durchgeführt. Er war sozusagen eine Notlösung in kritischen Situationen. Auch bei Frauen mit vorbestehenden gesundheitlichen Problemen, die einen normalen Geburtsverlauf schwierig machen könnten, ist der Kaiserschnitt gegebenenfalls eine passende Option. EU-Spitzenreiter ist Zypern - hier kommen rund 38 Prozent aller Kinder per Wunsch-Kaiserschnitt zur Welt. Österreich liegt im oberen Mittelfeld (ca. 30 Prozent), wie viele zentraleuropäische Staaten. Schlusslichter und damit die "am natürlichsten" gebärenden EU-Bürger sind die Skandinavier: In Finnland und Norwegen wählen nur rund 7 Prozent der Eltern den geplanten Kaiserschnitt. Die Weltgesundheits-Organisaiton (WHO) empfiehlt eine Kaiserschnittquote von maximal 10 Prozent. Der Großteil der heute durchgeführten Kaiserschnitte sei von keiner medizinischen Notwendigkeit.

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