Brustkrebs: Übertherapie wird hinterfragt

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Brustkrebs: Übertherapie wird hinterfragt

Brustkrebs wird durch die Fortschritte der Medizin immer früher diagnostiziert. Deshalb kommt gerade in solchen Fällen entsprechenden Leitlinien für eine effektive, aber möglichst schonende Therapie eine besondere Bedeutung zu. Mit diesem Thema befasst sich die St. Gallen Brustkrebskonferenz (bis 18. März).

Positive Bilanz

An sich können die Fachleute eine insgesamt positive Bilanz beim Mammakarzinom ziehen. Bei etwa gleichbleibenden Neuerkrankungsraten geht die Mortalität durch Brustkrebs zurück. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre betrug diese Reduktion rund 30 Prozent. Aktuell können rund 80 Prozent der Patientinnen in einem frühen Erkrankungsstadium geheilt werden.

Individualisierte Behandlung gewinnt an Bedeutung

Gerade wegen der verbesserten Früherkennungsmöglichkeiten wird eine individualisierte Behandlung immer wichtiger. In mehr als 90 Prozent der Fälle ist eine brusterhaltende Operation Teil des interdisziplinären Gesamttherapieplans. Der Trend geht daher weg von der allgemeinen Standardtherapie hin zur Therapie von Subtypen von Krebs. Ziel ist zum Beispiel, Patientinnen mit einem sogenannten "Duktalem Karzinom in situ" (DCIS), also einem Tumor, der noch auf die Milchgänge beschränkt und so gut zu operieren ist, eventuell gar nicht notwendige Therapien zu ersparen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor wiederkehrt, liegt bei bis zu 30 Prozent. Umgekehrt bedeutet das in diesen Fällen, dass wahrscheinlich längst nicht immer eine antihormonelle Behandlung, eine Strahlen- oder Chemotherapie nach der Operation notwendig sein dürfte.

Übertherapie

"Die sogenannte Übertherapie, also ein unkritisches Einsetzen von Medikamenten oder Strahlentherapie, bringt für die Betroffenen oft massive Nebenwirkungen ohne therapeutischen Nutzen. Wir hinterfragen am Kongress daher gemeinsam mit internationalen Experten, wie die optimale Therapie von operativ gut behandelbaren Tumoren gestaltet sein muss", sagte Michael Gnant, Vorstand der chirurgischen Universitätsklinik in Wien, aus Anlass der Konferenz. Gnant ist auch Präsident der Österreichischen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG).

Anders als bei anderen onkologischen Großkonferenzen steht bei dem St. Gallen-Meeting nicht die Präsentation brandneuer Studien im Vordergrund. Es geht vor allem darum, das aktuelle Wissen zusammenzufassen. Hinzu kommt Ende (18. März) ein vier Stunden dauerndes Experten-Panel, das einen Konsens über die derzeit optimale Primärtherapie bei Brustkrebs finden soll. Dieser Konsens wird später publiziert.

Weltweit sind von Brustkrebs 1,3 Millionen Patientinnen betroffen. In Österreich sind es rund 67.000 Frauen und knapp 570 Männer. Jährlich wird ein Mammakarzinom in Österreich bei rund 5.500 Frauen und bei 70 Männern neu diagnostiziert. Die Krankheit bedingt pro Jahr rund 1.600 Todesfälle. Sie resultieren ausschließlich aus Brustkrebs, bei dem es zur Bildung von sogenannten Fernmetastasen in anderen Organen gekommen ist.

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