Werden Sie Ihr Gewichts-Manager

Die Kilos im Griff

Werden Sie Ihr Gewichts-Manager

Die Weltbevölkerung wird seit 1975 alle zehn Jahre um 1,5 Kilogramm schwerer. Neue Zahlen weisen darauf hin, dass bis 2025 weltweit 2,7 Milliarden Erwachsene übergewichtig  (adipös) sein werden. 177 Millionen Erwachsene werden krankhaft fettleibig und behandlungsbedürftig sein (Quelle: ÖAG). Ein Blick ins Hier und Jetzt zeigt, dass bereits ein Drittel der Teenager in unseren Schulen übergewichtig ist. Schockierende Zahlen, die Adipositas als eine chronische Erkrankung mit pandemischen Ausmaßen ausweisen.
 
Komplexe Ursachen
„Die Gründe für eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe sind komplex und vielschichtig“, so Präventions- und Genesungsexperte Prim. DDr. Leopold Gradauer, MME, FA für Innere Medizin, Allgemeinmedizin und Kardiologie. Als Hauptfaktoren gelten falsche Ernährung (z. B. zu häufiges, zu kalorienreiches, industriell verarbeitetes Essen), Bewegungsmangel, Erbanlagen, seelischer Stress sowie Krankheiten  wie eine Schilddrüsen-Unterfunktion. Bedeutend bei der Ursachenforschung ist zudem ein Blick auf die evolutionäre Entwicklung. „Wahrscheinlich hat die Evolution“, so Primar Gradauer, „unsere Programmierung so getrimmt, dass das Wesen Mensch auch unter kargen Bedingungen überleben konnte, für den Überfluss sind wir nicht programmiert. Unsere Urvorfahren lebten nicht im Überfluss, und zu ihrem Alltag gehörte Bewegung; das gilt für Primaten, das gilt für Urmenschen, das gilt für die meisten Menschen bis vor wenigen Generationen. Die Grundprogramme des Stoffwechsels und Energiehaushaltes haben sich aber nicht geändert, die Lebensbedingungen, -modalitäten und -möglichkeiten allerdings teilweise massiv. Im Steinzeitalter waren Männer 19 Kilometer pro Tag unterwegs – und nicht auf ebenen Straßen –, Frauen neun. Vor 200 Jahren verfügten Menschen über 0,5 Kilogramm Zucker pro Person und Jahr, jetzt konsumieren wir die hundertfache Menge.“ 
 
❯❯ Bin ich gefährdet?
Kriterien der Adipositas: Sie brauchen nur ein Maßband, um zu ermitteln, in welchem Bereich (Norm oder Risiko) Sie sich befinden:
 
Bauchumfang: stellt die Maßzahl mit dem größten Aussagewert bzgl. Risiken dar. Gemessen wird er morgens im Stehen vor dem Frühstück in entspannter Position an der Stelle des größten Umfanges.
Normen (unabhängig von Körpergröße):
– Frauen: ideal < 80 cm; Risikobereich 80–88; darüber ist eine hohe Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen/die Entwicklung eines Wohlstandssyndroms (=metabolisches Syndrom) anzunehmen.
– Männer: ideal < 90 cm; Risikobereich 90-101 cm, darüber klares Risiko.
 
Der BMI ist nur eingeschränkt aussagekräftig. Es werden nur Gewicht und Körpergröße in Beziehung gesetzt; d. h., ob Gewicht von Muskel- oder Fettmasse herrührt, wird nicht unterschieden. 
 
 
Die Folgen 
Warnzeichen sind nicht zu übersehen: „Eine Zunahme von Bauchumfang und Gewicht, die man ohne ein technisches Gerät bemerkt.“ Mehr Gewicht führt zu weniger Agilität, die Muskelmasse nimmt ab, der Energieverbrauch sinkt – der Beginn der Abwärtsspirale. Wird nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen, führt ein Zuviel an Gewicht u. a. zu erhöhtem Blutzucker, erhöhtem Blutdruck und zu einem chronischen Entzündungsprozess im Körper, insbesondere in den Arterien (siehe dazu auch Arteriosklerose-Lexikon ab Seite 33). „Die Konsequenzen“, so der Mediziner, „sind die bekannten Probleme: Herzinfarkt, Schlaganfall, Raucherbein, schwerer Nierenschaden, Augenschäden ... In Summe muss von reduzierter Lebenserwartung bzw. von einer Reduktion der gesunden Lebensjahre ausgegangen werden.“
 
Prävention/Gegenstrategien
Wie essenziell das Thema Prävention ist, macht eine neue Erkenntnis aus der Hirnforschung deutlich. „Aus evolutionstaktischen Gründen“, so Internistin Dr. Johanna Brix, Vorstandmitglied der ÖAG, „versucht unser Gehirn immer, das einmal bereits erreichte maximale Gewicht erneut zu erreichen. Dadurch bleibt für Menschen, die eine Gewichtsabnahme geschafft haben, immer der Kampf, nicht wieder zuzunehmen.“ 
Der Lebensstil ist zwar bei Weitem nicht der einzige Faktor, der zu Adipositas führt, aber ein bedeutender. Eine Evaluierung des Lebensstils und eine Anpassung der Gewohnheiten an unsere Biologie gilt daher als effiziente Präventionsmaßnahme. „Es braucht“, so DDr. Gradauer, „dabei keine spezielle Diät. Eine angemessene Energiezufuhr ist das Um und Auf, alles Weitere – viel oder wenig Fett bzw. Kohlenhydrate bzw. Eiweiß, gesättigte/ ungesättigte Fettsäuren etc. – ist zweit- bis drittrangig.“ 
 
Die wichtigste Säule neben der Ernährung ist die Bewegung: „Sie steigert“, so DDr. Gradauer, „den Energieverbrauch, baut Stress ab, unterstützt das hormonelle System (Insulin, Sexualhormone), reguliert den Blutdruck, ökonomisiert den Kreislauf, wirkt entzündungshemmend, immunitätssteigernd und appetitregulierend. Konkret empfohlen werden 150 Minuten pro Woche mäßig intensive Bewegung, aufgeteilt auf fast jeden Tag.“ Unterstützend, so der Experte, wirken zudem Psychohygiene im Sinne von Vermeidung sinnloser, belastender Dinge (Bsp.: übermäßiges Computerspielen) und eine Beachtung der Chronobiologie (ausreichend schlafen!). 
 
Ein bewusster, an unsere Anlagen angepasster Lebensstil schützt dabei nicht nur uns, sondern auch kommende Generationen. Prävention beginnt nämlich schon vor der Geburt – und zwar mit fetaler Programmierung. „Das ist der Fachausdruck für die Auswirkungen von Fehlernährung und Stoffwechselproblemen der Mütter während der Schwangerschaft auf die gesundheitlichen Risiken ihrer Kinder. Das betrifft sowohl die Über- als auch die Unterernährung. Mütter gefährden sich durch Fehlernährung in der Schwangerschaft und ungesunde Ernährung in den ersten Lebensjahren nicht nur selbst, sondern programmieren ihre Kinder auf Fett und Zucker. Das kann zur Folge haben, dass uns die Adipositas-Epidemie auf Generationen erhalten bleibt, wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern.“ Ergo: Übernehmen wir Verantwortung für uns selbst, schenken wir uns nicht nur mehr gesunde Lebensjahre, wir verändern die Zukunft künftiger Generationen – sowohl die Ökonomie als auch die Gesundheit betreffend – zum Positiven.
 
Dauerhaftes Selbstmanagement 
So komplex wie sich Ursachen und Zusammenhänge von Adipositas sich gestalten, so überschaubar sind die Gegenstrategien. Sowohl für die Prävention als auch die Rückfallprophylaxe rät DDr. Gradauer: „Stellen Sie sich drei Fragen: „Wer bin ich als Mensch? Wie bin ich geschaffen? Was ist gesund für mich? Die Antworten sind einfach: Ich bin so gebaut, um mit wenig an Kalorien auszukommen; ich bleibe gesünder, wenn ich mich wohlschmeckend, aber knapp an Kalorien ernähre. Mein Körper ist zum Großteil auch dafür gebaut, Bewegung zu machen; Bewegung ist ein Jungbrunnen, sie ist eine Investition in meine Lebensqualität, kurzfristig und langfristig, sowohl, was Investition wie auch Gewinn betrifft.“ 
 
Fakten über das Gewicht 1/3
Adiposität – Definition:

Als Fettleibigkeit wird eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper bezeichnet.


 Ursachen:

• Falsches  Essen,  z. B.  häufige  Zwischenmahlzeiten, hoher Konsum an energiereichen Lebensmitteln, Fast Food, zuckerhaltige Soft-drinks, Alkohol-Getränke, Naschen
• Bewegungsmangel
• Seelische Faktoren (Stress, Einsamkeit und Frustration)
• Erbfaktoren
• Essstörungen
• Krankheiten (Schilddrüsen-Unterfunktion,  Cushing-Syndrom)
• Gesellschaftliche Verhältnisse (Mangel an Sportmöglichkeiten)
• Missachtung der Chronobiologie (zu wenig Schlaf)
• Fetale Programmierung (Auswirkungen von Fehlernährung und Stoffwechselproblemen der Mütter während der Schwangerschaft)
Genetische Disposition alleine macht nicht fettleibig. Meist ist es ein Zusammenspiel von Disposition und Lebensgewohnheiten.
Risikofaktor für:
Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, erhöhten Blutdruck, Schlaganfall, Arterienverkalkung (s. S. 33), Diabetes Typ 2, Gicht, Gallensteine, Beinvenen-Thrombose, Krebserkrankungen (z. B. Brust, Prostata, Gebärmutter), Gelenkschäden.
Prävention:
Prim. DDr. Leopold Gradauer rät:  
• Orientierung an unserer Biologie mit knapper Energiezufuhr. Es braucht keine spezielle Diät, angemessene Energiezufuhr ist das Um und Auf.
• Bewegung: 150 Minuten/Woche mäßig intensiv, aufgeteilt auf fast jeden Tag (also täglich 30–40 Minuten), idealerweise alltagsnahe
• Beachtung der Chronobiologie: ausreichend schlafen
• Psychohygiene: Vermeidung sinnloser/belastender Dinge (übermäßiges Computerspielen)Weitere Infos unter  www.oedg.at und www.adipositas-austria.org
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