Tinnitus: Töne trotz Stille

Jeder 10. Österreicher ist betroffen

Tinnitus: Töne trotz Stille

Ein Sausen, ein Rauschen, ein Pfeifen – das „Klingeln der Ohren“ ist auf den medizinischen Ausdruck „Tinnitus aurium“ (kurz Tinnitus) zurückzuführen. Dabei werden Töne bezeichnet, die einzig und allein von der betroffenen Person trotz mangelnder äußerer Schallquelle wahrgenommen werden. Unter Tinnitus leidende Personen hören demnach Geräusche, die sonst keiner hört.
Ganz allgemein wird zwischen akutem und chronischem (ab etwa drei Monaten) Tinnitus unterschieden. Ganz unabhängig von Ausprägung und Form kann ein Tinnitus sowohl körperlich als auch psychisch als starke Belastung empfunden werden.

Tinnitus – wie entsteht er?
Der genaue Pathomechanismus bei der Entstehung eines Tinnitus ist dabei weitgehend ungeklärt. Hinweise zeigen dennoch auf, dass Ohrgeräusche ohne äußere Schallquelle meist auf Schäden im Bereich der Sinneszellen in der Gehörschnecke zurückzuführen sind. Die geschädigten Sinneszellen schicken also keine Signale mehr in höhere Hirnzentren, welche wiederum ihrerseits kompensatorisch eine verstärkte Aktivität aufweisen.

Tinnitus: Die Fakten im Überblick 1/5

Definition 

 
Unter Tinnitus aurium (zu Deutsch „Klingeln der Ohren“)versteht man jede Art von subjektiv wahrgenommenem Geräusch (meist Sausen, Pfeifen, Rauschen oder Summen), das ohne äußere Schallquelle entsteht. Ein Tinnitus kann entweder akut oder chronisch (ab einer Erkrankungsdauer von drei Monaten) auftreten. 
 
 

Entstehung

 
Grundsätzlich ist der genaue Pathomechanismus bei der Entstehung eines Tinnitus weitgehend ungeklärt. Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass die Ohrgeräusche meist auf einen Schaden im Bereich der Sinneszellen innerhalb der Gehörschnecke zurückzuführen sind. Die geschädigten Zellen schicken also keine Signale mehr in höhere Hirnzentren, die dann ihrerseits kompensatorisch eine verstärkte Aktivität zeigen. Im Normalfall blendet unser Hörsystem Körpergeräusche wie beispielsweise den Blutfluss im Ohr aus – wir würden ja sonst ein ständiges Rauschen vernehmen. Sind die Sinneszellen in der Gehörschnecke beschädigt, scheint dieses Gleichgewicht gestört.
 
 

Ursachen

 
In etwa 70 Prozent der Fälle geht ein Tinnitus mit einem Hörsturz, also einer plötzlichen Hörverminderung, einher: Durchblutungsstörungen, Elektrolytverschiebungen sowie Adrenalin- und Kortisolwirkung bei Stress können die ausschlaggebenden Faktoren eines Tinnitus im Zusammenhang mit einem Hörsturz sein. Ganz allgemein kann das Klingeln in den Ohren auch durch scheinbar banale Erkrankungen wie eine Mittelohrentzündung oder einen Tubenkatarrh entstehen. Auch Lärmexposition, Traumata, Bluthochdruck oder Halswirbelsäulenprobleme gelten als mögliche Ursachen. Nicht außer Acht zu lassen sind zudem körperlicher und seelischer Stress.
 
 

Symptome 

 
Die Bandbreite der wahrgenommenen Geräusche ist groß: Klingeln, Zischen, Pfeifen, Rauschen, Sausen, Summen. Erscheinungsform, Intensität und Lautstärke der Ohrengeräusche sind verschieden und werden von Mensch zu Mensch unterschiedlich wahrgenommen und empfunden. Während einige Betroffene mit der zusätzlichen Geräuschbelastung vergleichsweise gut zurechtkommen, fällt es anderen Personen sehr schwer, mit Tinnitus zu leben. 
Folgeerscheinungen von Tinnitus können Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen oder sogar Angstzustände und Depressionen sein.
 
 

Therapie 

 
Bei akutem Tinnitus werden durchblutungsfördernde Infusionen (eventuell mit Zugabe von Kortison) verabreicht. 
Bei chronischem Tinnitus wird mittels Retrainingstherapie versucht, eine Gewöhnung des Gehirns an die störenden Ohrgeräusche zu erreichen. Mithilfe sogenannter „Noiser“ wird ein „Gegengeräusch“ produziert und an das Gehirn gesendet, um dieses wiederum vom eigentlichen Tinnitusgeräusch abzulenken.


Komplexes Zusammenspiel

Welche Gegebenheiten bedingen nun eine Schädigung der Sinneszellen innerhalb der Hörschnecke und führen in weiterer Folge zu subjektiv wahrgenommenen Ohrgeräuschen? Banale Mittelohrentzündungen, akute oder chronische Lärmexposition, Traumata (z. B. Schlag auf das Ohr), Probleme mit der Halswirbelsäule, Bluthochdruck, Hörsturz, Durchblutungsstörungen oder anhaltender Stress zählen zu den Ursachen, die in einem Tinnitus resultieren können. Meist muss von einem Zusammenspiel physischer und psychischer Faktoren ausgegangen werden.

Diagnose
Anamnese: Im Zuge eines ausführlichen Gesprächs ermittelt der Arzt etwaige Vorerkrankungen und psychische Gegebenheiten.
Hals-Nasen-Ohren-Untersuchung: Eine ausführliche Untersuchung sowie Spiegelung des Nasen-Rachen-Raumes bilden die Grundlage einer Diagnose. Mittels Gleichgewichtsprüfung werden Ohrerkrankungen ausgeschlossen.
Audiogramm (Hörtest): Durch einen Hörtest sowie spezielle Messverfahren können Frequenz, Tonhöhe und Lautstärke des Tinnitus-Geräusches bestimmt und untersucht werden.
Ultraschall: Ultraschalluntersuchungen des Gehirns sowie spezielle Tests zur Ermittlung von Funktionsstörungen des Mittel- oder Innenohrs können aufschlussreich sein.


Mit Tinnitus leben

Liegt dem Tinnitus eine behandelbare Erkrankung zugrunde, stehen die Chancen auf Heilung meist gut. Bei einem dauerhaften Tinnitus müssen ganzheitlichere Behandlungsmethoden angedacht werden. Die Retrainingstherapie zum Beispiel zielt darauf ab, ein „Umlernen“ des Gehirns zu erreichen. Ein chronisches Ohrgeräusch wird im Gehirn wie auf einer Computerfestplatte gespeichert. Mit sogenannten „Noisern“ wird ein „Gegengeräusch“ produziert und an das Gehirn gesendet, um dieses vom Tinnitusgeräusch abzulenken. Zusätzlich kommen Entspannungs- und Bewältigungstherapien zum Einsatz. Diese sollen vor allem dabei helfen, den psychischen Leidensdruck zu lindern. Betroffene gewöhnen sich an die anfangs noch störenden Geräusche und lernen, den Tinnitus zu akzeptieren.

Tinnitus: Therapiemöglichkeiten 1/4
Ob in akuter oder chronischer Form – für Sie haben wir Informationen und Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus zusammengetragen. 

Einmal Tinnitus – immer Tinnitus? 
Betroffene können aufatmen: Ein akut auftretender Tinnitus verschwindet bei etwa 70 Prozent der Patienten auch wieder. Da viele Menschen, die über kurze Zeit an Tinnitus leiden, nicht zum Arzt gehen, liegt die Spontanheilungsrate bei einem kurz andauernden Ohrgeräusch wahrscheinlich sogar bei 90 Prozent. Auch eine Elektrolytverschiebung oder Durchblutungsstörung im Innenohr kann sich wieder bessern, eine verspannte Halsmuskulatur wird oft wieder weich und auch eine verletzte Seele hat die Möglichkeit, wieder neuen Mut zu fassen. 
 
 
 
Akuter Tinnitus 
Im akuten Stadium, sprich innerhalb der ersten zwei Wochen nach dem Auftreten des Ohrgeräusches, wird seitens der Schulmedizin Kortison empfohlen – entweder als Tablette oder in Form einer Infusion ins Mittelohr injiziert. Vorsicht ist bei Bluthochdruck geboten – in diesem Fall ist von Kortison abzuraten. 
 
 
 
Chronischer Tinnitus 
Im Zuge eines chronischen Tinnitus, der über einen Erkrankungszeitraum von drei Monaten hinausgeht, werden meist durchblutungsfördernde Medikamente verschrieben. Bei relevantem Hörverlust können auch Hörgeräte zu einer Besserung des Tinnitus führen. Auch die Retrainingstherapie kann Abhilfe schaffen. Dabei wird versucht, eine Gewöhnung an die zusätzlichen Ohrgeräusche zu erzielen. 
 
 
Tinnitus und Psyche
In manchen Fällen bleibt ein Tinnitus dennoch bestehen – wie auch das Krankheitsbild selbst, sind die Therapiemöglichkeiten nicht immer klar voneinander abzugrenzen. In vielen Fällen helfen neben Medikamenten und Retrainingsverfahren auch beispielsweise Entspannungs- und kognitive Verhaltenstherapien sowie Psychotherapien im Allgemeinen, um den Leidensdruck und die Belastungen, die mit einem Tinnitus einhergehen, zu verarbeiten und infolgedessen besser zu ertragen. 

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